Sonnenhungrige scheren sich nicht um Badeverbot in Rosdorf

Verbot ignoriert: Bei gutem Wetter nutzten Sonnenhungrige den Rosdorfer Baggersee zum Baden. Foto: Christian Mühlhausen, Landpixel

Rosdorf. Das Badeverbot im Rosdorfer Baggersee wird massenhaft missachtet. Das weist die Piratenpartei mit einer Fotodokumentation nach und fordert jetzt die Aufhebung des Badeverbots sowie regelmäßige Kontrollen der Wasserqualität des Sees, der auf dem Gebiet der Gemeinde Friedland liegt.

Nach Zählung der Piratepartei haben am Sonntagnachmittag, 2. August, bei bestem Sommerwetter innerhalb von knapp zwei Stunden mindestens 814 Personen im See gebadet. Allein zwischen 15.50 und 16.50 Uhr wurden 506 Badende fotografisch erfasst. Einen Tag später gingen sogar noch mehr Menschen Baden, stellten die Piraten fest.

Die Fotos entstanden im Südteil des Sees, wo nicht mehr gebaggert wird. Die Dokumentation mit 215 anonymisierten Fotos leitete die Partei nach eigenen Angaben dem Göttinger Gesundheitsamt und dem Sozialministerium in Hannover als Aufsichtsbehörde zu.

„Die Darstellung des Gesundheitsamts, die vielen Menschen würden an heißen Sommertagen zu einem See fahren und dort dann nicht baden, ist nicht nur absurd, sondern auch mit ein paar Fotos sehr leicht widerlegbar“, sagt Dr. Francisco Welter-Schultes vom Vorstand der Göttinger Piratenpartei: „Wir fordern mehr Realitätsbezug in der Göttinger Verwaltung, und mit Nachdruck die Einhaltung der europäischen Hygienevorschriften.“

Nach der Niedersächsischen Badegewässerverordnung müsse ein Badesee hygienisch überwacht werden, wenn die zuständige Behörde dort mit einer „großen Anzahl von Badenden rechnet“. Dies sei in Rosdorf der Fall, da dort mehr Menschen ins Wasser gingen als beispielsweise in den Seeburger See. Die vorgeschriebene Untersuchung dürfe nicht durch ein generelles Badeverbot umgangen werden, das sich nicht durchsetzen lasse. Der Rosdorfer Baggersee müsse als Badegewässer eingestuft werden. Anhand ihrer Fotodokumentation halten die Piraten Schätzungen von etwa 80.000 Badegästen jährlich für realistisch.

Der Landkreis Göttingen als zuständige Aufsichtsbehörde wollte sich auf Nachfrage am Donnerstag nicht zu dem Thema äußern.

Das Rosdorfer Baggersee hatte im Juni für Schlagzeilen gesorgt, als ein Asylbewerber dort ertrunken war.

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