Streit um Pfeffer hinter Gittern

Sicherungsverwahrte in Rosdorf drohen mit Hungerstreik

Neues Haus: In diesem Spezialgebäude sind die Sicherungsverwahrten auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Rosdorf untergebracht. Foto: Schröter

Rosdorf. Vor rund drei Wochen sind die ersten niedersächsischen Sicherungsverwahrten in die neue Unterkunft auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Rosdorf (JVA) eingezogen. Doch jetzt ist ein Konflikt um Gewürze entbrannt - und die Insassen drohen mit Hungerstreik.

Dort genießen sie deutlich mehr Komfort und Freiheiten als die Strafgefangenen: Sie haben ein eigenes Bad mit Dusche, können Internet, Radio und Fernsehen nutzen, sie dürfen sich von 6 bis 22 Uhr im Neubau und auf dem Außengelände frei bewegen, und sie können sich auch selbst verpflegen.

Um die Verpflegung ist in dieser Woche ein Konflikt entbrannt: Zwei Sicherungsverwahrte kündigten am Mittwoch einen Hungerstreik an, weil sie keinen Pfeffer und keine anderen scharfen Gewürze in der Küche vorrätig haben dürfen. Diese werden nur kontrolliert abgegeben und müssen nach dem Kochen wieder abgegeben werden.

Die Hungerstreik-Drohung war indes schnell wieder vom Tisch: Einer der beiden Sicherungsverwahrten verkündete bereits am Donnerstag, wieder Nahrung zu sich nehmen zu wollen. Der zweite Bewohner habe dies am Freitag erklärt, berichtete JVA-Leiterin Regina Weichert-Pleuger. Beide Männer seien nach ihrer Hungerstreik-Ankündigung einem Arzt vorgestellt worden. Ob sie tatsächlich gehungert hatten, lasse sich nicht nachprüfen, da sie nicht ständig beaufsichtigt würden und sich selbst verpflegten. Diese Möglichkeit hatten sie in ihrer vorherigen Unterbringung in der Justizvollzugsanstalt Celle nicht.

Die JVA-Leiterin hat zwar Verständnis für den Wunsch, Pfeffer in der Gemeinschaftsküche vorrätig haben zu dürfen. Dies könne man jedoch aus Sicherheitsgründen nicht erlauben. Pfeffer sei potentiell geeignet, Mitarbeiter des Wachpersonals handlungsunfähig zu machen. Dies gelte für alle scharfen Gewürze, die einen Wirkstoff enthielten, mit dem sich eine pfeffersprayartige Wirkung erzielen lasse.

In dem neuen Spezialgebäude sind inzwischen 22 Sicherungsverwahrte untergebracht. Sicherungsverwahrte sind Straftäter, die ihre Haftstrafe verbüßt haben, jedoch weiterhin als so gefährlich gelten, dass die Allgemeinheit vor ihnen geschützt werden muss. Mit der neuen Unterbringung setzt das Land Niedersachsen die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts um. Die meisten Sicherungsverwahrten, die nach Rosdorf umgezogen sind, seien mit der neuen Unterbringung sehr zufrieden, sagte Weichert-Pleuger. Jetzt gehe es darum, die gesetzlichen Vorgaben in die Alltagspraxis umzusetzen. Dass es dabei auch zu Konflikten komme, sei zu erwarten gewesen. (pid)

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