Sammlung des Musikwissenschaftlichen Seminars kann sonntags besichtigt werden

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Am kalebassenresoniertes Rahmenxylophon mit zwei Schlegeln: der Kustos der Instrumentensammlung Klaus-Peter Brenner. Das Instrument stammt aus Nord-Ghana.

Göttingen. Sie stammen aus den verschiedensten Teilen der Welt und aus verschiedenen Epochen. In ihrer jeweiligen Zeit haben sie die Menschen mit ihrem Klang verzaubert. Heutzutage können die Instrumente der Sammlung des Musikwissenschaftlichen Seminars während der Sonntagsspaziergänge bestaunt werden.

Die Instrumente wieder zum klingen zu bringen, ist nicht ohne weiteres möglich. „Ein weiterer Stress durch eine Bespielung soll vermieden werden“, sagt Kustos Dr. Klaus Peter Brenner. Doch es gebe die Möglichkeit, Replikate anzufertigen. Einige befinden sich in der Göttinger Sammlung. Darunter auch ein ganz besonderes Stück: Die mutmaßlich älteste erhaltene altägyptische Bogenharfe. Sie stammt vermutlich aus der Zeit zwischen 2700 und 2200 v. Chr. Das Replikat liegt neben seinem Original in einer Vitrine.

„Dieses Instrument würde ich gerne restaurieren und spielbar machen“, sagt Brenner und zeigt auf einen Hammerflügel von Carl Stein aus dem Jahr 1899. „Die Substanz ist gut, und es ist ein bedeutendes Instrument der Stein-Dynastie“, erklärt er. Frühere Generationen der Familie hätten mit Mozart und Beethoven in Kontakt gestanden.

Doch nicht bei allen Instrumenten ist es der musikgeschichtliche Hintergrund, der ihren Wert bestimmt. Über eines der Violoncellos ist bekannt, dass es in Auschwitz gespielt wurde. Es stammt aus der Sammlung von Hermann Johannes Moeck, einem Instrumentenfabrikanten und Musikverleger aus Celle.

Dessen Instrumente bilden den Grundstock der 1964 in Göttingen gestarteten Sammlung. Die Initiative zur Einrichtung einer Lehr- und Forschungssammlung ergriff der damalige Lehrstuhlinhaber Prof. Heinrich Husmann. Moecks Sammlung wurde vom Land Niedersachsen für die Universität Göttingen gekauft.

In die Sammlung aufgenommen wurde das Violoncello, weil es in Auschwitz gespielt wurde. Ansonsten sei es ein unbedeutendes Instrument, sagt Brenner. „Moeck hat die Information weitergegeben.“ Die Quelle ist allerdings unbekannt und konnte auch von den Erben nicht benannt werden.

Die Sammlung der Uni umfasst knapp 2000 Instrumente. Sie gewähren Einblicke in die Musik Europas, Afrikas, Altägyptens, Asien und Amerikas. Göttinger Studenten befassen sich während ihres Bachelor-Studiums mit der Sammlung. Am Sonntag, 13. Juli, stellen sie die Ergebnisse vor. Die Präsentationen finden zwischen 10 und 16 Uhr im Accouchierhaus, Kurze Geismarstraße 1, Hörsaal im 1. Obergeschoss, statt. Zudem kann die Sammlung während der Sonntagsspaziergänge besichtigt werden. Diese finden jeden Sonntag, von 10 bis 16 Uhr, statt. (sas)

Weitere Informationen zur Instrumentensammlung gibt es hier.

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