Göttinger Chirurg soll Schmiergeld für Transplantation kassiert haben

Göttingen. Ein ehemaliger Transplantationschirurg des Göttinger Universitätsklinikums steht unter dem Verdacht, gegen Geldzahlung einen ausländischen Patienten bevorzugt behandelt und diesem so zu einer neuen Leber verholfen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung. Anlass für die Ermittlungen sei ein anonymer Hinweis an die Deutsche Stiftung Organtransplantation gewesen, sagte am Dienstag die Sprecherin der Strafverfolgungsbehörde, Serena Stamer. „Wir prüfen jetzt, ob sich der Verdacht erhärtet oder nicht.“

Der 45-jährige Mediziner war seit Herbst 2008 in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) tätig, wo er als Leiter der Transplantationschirurgie fungierte. Diese ist insbesondere auf Leber- und Multiorgantransplantationen spezialisiert.

Leitung soll seit 2011 Bescheid gewusst haben

Die Klinikumsleitung sei Ende 2011 über die in der anonymen Anzeige erhobenen Vorwürfe informiert worden, sagte UMG-Sprecher Stefan Weller. Daraufhin habe man in gegenseitigem Einvernehmen einen Auflösungsvertrag geschlossen. Der Chirurg sei seitdem nicht mehr in der Universitätsmedizin tätig.

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geht es bislang um einen Fall, bei dem Bestechungsgeld für die Behandlung eines ausländischen Patienten geflossen sein soll, dem dann eine Leber transplantiert wurde.

Ende Mai durchsuchten Ermittler die Göttinger Wohnung des Mediziners. Dieser habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen eingelassen, sagte Stamer. Auch sein Rechtsanwalt habe bisher keine Stellungnahme abgegeben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt außerdem gegen den Patienten sowie zwei verantwortliche Mitarbeiter einer Firma in Nordrhein-Westfalen, die als Vermittler für medizinische Dienstleistungen auftritt. Diese soll den Kontakt zu dem ausländischen Patienten hergestellt haben.

Der Transplantationschirurg selbst hatte vor zwei Jahren bei einer Pressekonferenz erklärt, dass das Göttinger Uniklinikum nicht nur Anfragen für Lebertransplantationen von Patienten aus ganz Deutschland habe, sondern auch aus dem arabischen Ausland und Israel.

Klinikumssprecher Stefan Weller bestätigte, dass auch bei ausländischen Patienten Lebertransplantationen vorgenommen wurden. Nach den Richtlinien für Organtransplantationen dürfe man auch Patienten behandeln, die nicht aus der Europäischen Union stammen. Zulässig sei eine Quote von bis zu fünf Prozent. (pid)

Von Heidi Niemann

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.