Lesung beim Literaturherbst

Heinz Strunk trat im Deutschen Theater in Göttingen: Schonungslos schnoddriger Bericht einer Liebe

Las schon mehrfach in Göttingen und griff zur Querflöte: Heinz Strunk im Deutschen Theater.
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Las schon mehrfach in Göttingen und griff zur Querflöte: Heinz Strunk im Deutschen Theater.

Vor lauter Lachen rang das Publikum um Atem. Heinz Strunk hat am Sonntag beim Göttinger Literaturhebst aus seinem Buch „Es ist immer so schön mit dir“ gelesen.

Göttingen – Es erzählt ebenso wortgewaltig wie schonungslos brutal eine Liebesgeschichte von ihren bangen Anfängen über leidenschaftliche Höhen bis zur grenzenlosen Ernüchterung.

„Schaffe ich es eineinviertel Stunde lang diesen ehrwürdigen Raum zu füllen?“, fragte Strunk zu Beginn seiner Lesung im Deutschen Theater mit gespielter Unsicherheit. Da erntete der Hamburger im schicken Jackett mit Einstecktuch und fettem Goldschmuck bereits die ersten Lacher im fast ausverkauften Haus. Auf ein Glas Wasser verzichtete er – aus Soldarität mit dem Publikum und weil ein Erwachsener nicht schon nach einer Stunde ohne Getränk dehydriere.

Strunks Geschichte beginnt im Bett. Der Ich-Erzähler, ein in die Jahre gekommener Hörbuchbearbeiter, liegt schlaflos neben der schnarchenden Freundin. Aus Liebe, Sex und Zärtlichkeit ist Freundschaft, Nähe und Gemütlichkeit geworden, resümiert er. Ruhelos leert er im Wohnzimmer eine Flasche Brandy, sinniert über mumifizierte Rentner, die in Nachbarwohnungen im Sessel sitzen. Auf der Toilette mit herunter gelassener Hose überkommt den Betrunkenen die nackte Verzweiflung. Sein schlaffer Körper hat jeden Marktwert eingebüßt.

Doch am nächsten Abend baggert ihn auf einer Party eine makellos durchgestylte, aber – wie sich herausstellt – erfolglose Schauspielerin an. Der elektrisierte Held gibt seiner Freundin den Laufpass und stürzt sich – von Selbstzweifeln geplagt – in eine Affäre. Lange lässt ihn die junge Frau zappeln. Dann kommen die beiden doch zusammen. Der Held erlebt Momente höchsten Glücks. Als sein Heiratsantrag angenommen wird, verfliegt der Rausch. Plötzlich stört ihn ihre Magersucht, ihre ständigen Blicke aufs Smartphone, die ewigen Gespräche über die kalte Mutter und die Psychotherapeutin.

Die fesselnd erzählte Geschichte steuert ihrem traurigen Finale zu. Der Abend endet mit einem Griff zur Querflöte. Strunk stimmt auf seinem Instrument das musikalische Motiv zur Geschichte an. Das Publikum klatscht begeistert. (Michael Caspar)

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