Schrittmacher gegen den Bluthochdruck

Schrittmacher gegen Bluthochdruck: Das interdisziplinäre Team der Universitätsmedizin Göttingen (von links): Privatdozent Dr. Rolf Wachter (Klinik für Kardiologie und Pneumologie), Dr. Dieter Zenker (Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie), Prof. Dr. Michael Koziolek und Dr. Manuel Wallbach (beide Klinik für Nephrologie und Rheumatologie). Foto: UMG/nh
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Schrittmacher gegen Bluthochdruck: Das interdisziplinäre Team der Universitätsmedizin Göttingen (von links): Privatdozent Dr. Rolf Wachter (Klinik für Kardiologie und Pneumologie), Dr. Dieter Zenker (Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie), Prof. Dr. Michael Koziolek und Dr. Manuel Wallbach (beide Klinik für Nephrologie und Rheumatologie). Foto: UMG/nh

Göttingen. Die Universitätsmedizin Göttingen hat ein neues Therapieverfahren zur effizienten Senkung von Bluthochdruck ohne zusätzliche Medikamente entwickelt: Mehr als 50 Patienten wurden bereits mit Schrittmachern gegen Bluthochdruck versorgt.

In Deutschland haben rund 30 Millionen Menschen Bluthochdruck. Bei jedem dritten Patienten kann der Blutdruck trotz mehrerer Medikamente nicht ausreichend gesenkt werden. Das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine dialysepflichtige Nierenschwäche ist erhöht.

Solche Patienten profitieren an der Universitätsmedizin Göttingen von einem speziellen Verfahren: der Barorezeptorstimulation. Mit dem neuen Verfahren wird nicht nur der Blutdruck gesenkt. Auch Organ- und Gefäßschäden werden gemildert und der Verlust der Nierenfunktion wird verlangsamt.

Die Universitätsmedizin Göttingen ist nach eigenen Angaben in der Anwendung des neuen Verfahrens weltweit führend. Gemeinsam haben die Klinik für Nephrologie und Rheumatologie (Direktor: Prof. Dr. Gerhard A. Müller), Klinik für Kardiologie und Pneumologie (Prof. Dr. Gerd Hasenfuß) sowie die Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (Prof. Dr. Dipl.-Phys. Friedrich Schöndube) bereits mehr als 50 Patienten mit einem „Bluthochdruckschrittmacher“ versorgt. In Deutschland wird diese Operation an wenigen spezialisierten Zentren vorgenommen.

„Die Implantation dauert in der Regel etwa eine Stunde und der Aufenthalt im Krankenhaus beträgt oft nur wenige Tage. Bereits während der Operation können wir durch Anschalten des Schrittmachers testen, ob sich der Blutdruck senkt”, sagt Dr. Dieter Zenker, Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie.

„Der große Vorteil dieser Therapie ist, dass wir die körpereigenen Regelkreisläufe nutzen und so keine Nervenbahnen zerstört werden“, sagt Privatdozent Dr. Rolf Wachter, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Pneumologie: „Durch unterschiedliche Programmierungen des Schrittmachers können wir die Therapie optimal an die Patien-ten und ihren Tagesablauf anpassen. Stärke, Frequenz und Dauer der Impulse sind stufenlos und unabhängig voneinander einstellbar. Viele Patienten können die Anzahl oder die Dosis ihrer Medikamente sogar reduzieren.”

Das Verfahren ist für Patienten geeignet, die mindestens drei verschiedene Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen und deren Blutdruck sich dadurch nicht einstellen lässt. Bluthochdruckspezialist Prof. Dr. Michael Koziolek, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie: „Wir konnten zeigen, dass sich neben einer sehr guten Blutdruckabsenkung bereits vorhandene Gefäß- und Nierenschäden durch die Therapie in Teilen zurückbilden.“ (p)

Hintergrund

Die Barorezeptorstimulationstherapie

Für die Barorezeptorstimulationstherapie bekommen die betroffenen Patienten einen „Bluthochdruckschrittmacher“ eingesetzt. Der Schrittmacher wird in einem kleinen chirurgischen Eingriff unter dem Schlüsselbein platziert. Das Gerät sendet elektrische Signale an die Nervenzellen der Halsschlagader, die so genannten Barorezeptoren. Barorezeptoren sind körpereigene Blutdruckregler. Sie senden Signale an das Gehirn, die Blutdruck und Herzfrequenz normalisieren. Das Verfahren ersetzt nicht die Einnahme von Medikamenten. Es ergänzt sie und hilft dabei, den Blutdruck richtig einzustellen, um auch Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die neue Behandlung. (nh)

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