Schüler demonstrieren für ihr Bistro

Protestaktion an der Volkshochschule: Die jungen Erwachsenen forderten mit ihren Dozenten den Erhalt des Bistros. Doch die Finanzierung ist ungeklärt. Foto: Schlegel

Göttingen. Mehr als 100 junge Erwachsene, die sich an der Volkshochschule Göttingen auf Abschlüsse vorbereiten, sind sauer. Grund: Das Bistro der Bildungseinrichtung soll zum Jahresende dicht gemacht werden.

Sie demonstrierten vor der VHS-Zentrale am Göttinger Bahnhof gegen das mögliche Aus für das Projekt: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man unseren Kaffee klaut“, riefen sie.

Erst am vergangenen Montag haben Dozenten und Schüler von der überraschenden Entwicklung erfahren. „Wir wurden überhaupt nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen“, sagt Dozentin Jana Baumgarten.

Und: „Für die Schüler ist diese Einrichtung ganz wichtig. Viele hätten sonst einen leeren Magen im Unterricht“, weiß Dozent Arne Onken (48). Die Preise in der Cafeteria sind so günstig, dass sich die Schüler Brötchen, Süßigkeiten sowie warme und kalte Getränke leisten können. Derzeit besuchen 150 junge Erwachsene die Einrichtung des sogenannten Zweiten Bildungswegs, die an der Göttinger Theodor-Heuss-Straße zu finden ist.

Dort werden sie auf den Haupt- oder Realschulabschluss beziehungsweise auf das Abitur vorbereitet. Außerdem gibt es beispielsweise Integrations- und Deutsch-Kurse. Die Teilnehmer kommen aus Göttingen, Northeim, Einbeck sowie Hann. Münden und Dransfeld.

„Viele von ihnen sind den ganzen Tag über bei uns und hätten ohne das Café keine Möglichkeit, sich günstig zu verpflegen“, sagt Onken. Weiteres Problem: Alternativen, wie die Mensa oder andere Supermärkte, sind zu weit weg. „Da reichen die 15 Minuten Pause zwischen den Unterrichtseinheiten einfach nicht aus“, ergänzt Jana Baumgarten.

Gegenseitiger Austausch

Außerdem ist das Café für viele der jungen Erwachsenen, die ihren Schulabschluss nachholen wollen, eine wichtige Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch. Viele von ihnen kommen aus sozial benachteiligten Familien. Finanziert wird der Schulbesuch in der Regel über Projekte der Arbeitsagentur, des Jobcenters sowie von Stiftungen.

Das Interkulturelle Café (iQ 21) wurde im Frühjahr 2012 aus der Taufe gehoben. Bis Ende 2014 wurde es über die sogenannte „Bürgerarbeit“ finanziert. Im laufenden Jahr war Petra Faulhaber, die das Angebot betreut, befristet bei der Volkshochschule angestellt. Wie es nun weitergeht, ist völlig offen. Die Finanzierung ist ungeklärt (bsc)

VHS-Geschäftsführer schlägt Verein für das Bistro vor

Thomas Eberwien, Geschäftsführer der Volkshochschule Göttingen-Osterode, schlägt vor, das Bistro-Projekt über einen Verein weiterzuführen. Deshalb soll es im Januar weitere Gespräche geben.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass allen Beteiligten bereits beim Start im Jahr 2012 bewusst war, dass das Projekt an die Förderung der Personalkosten geknüpft ist. Eberwien: „Es war immer klar, wenn es diese Förderung nicht mehr gibt, wird dieses Café sich nicht mehr selbst tragen.“

Nach Angaben von Eberwien hat die Volkshochschule in drei Jahren insgesamt etwa 23 000 Euro in das Bistro gesteckt - ohne dafür einen Ertrag zu sehen. „Wenn es keine nachhaltige Perspektive hat und eine Förderung nicht mehr möglich ist, dann kann man so einen Cafébetrieb nicht mehr professionell aufrecht erhalten.“

Deshalb sei schon länger klar gewesen, dass es so nicht mehr weitergehen könne. Das sei mit allen Beteiligten kommuniziert worden, so VHS-Chef Eberwien. (bsc) Foto: Geier

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