Fragen und Antworten

Zäune gegen Wölfe: Finanzielle Hilfe für Weidetierhalter in Niedersachsen

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Der Wolf steht unter Schutz: Deshalb gibt es beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz ein spezielles Büro, das beispielsweise Anträge auf finanzielle Hilfe beim Bau von Schutzzäunen bearbeitet.

Lenglern. Der Wolf breitet sich in Niedersachsen weiter aus, sagen Experten. Halter von Weidetieren können jetzt finanzielle Hilfe beim Bau von Schutzzäunen bekommen. 

Bei einem Informationstermin in Lenglern mit Diplom-Agraringenieur Andreas Truckenbrodt vom Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden Details für die Förderung vorgestellt. Organisiert wurde der Abend vom Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen, der Weidetierhalter unterstützt – dazu Fragen und Antworten.

Haben sich Wölfe bereits in Südniedersachsen angesiedelt?

Nein, bislang wurde nur einzelne Wölfe registriert, die auch Tiere gerissen haben. Ein Wolfsrudel hat sich in Südniedersachsen bislang noch nicht angesiedelt. Wann dies passiert, ist völlig unklar.

Wo ist der Wolf in Niedersachsen bereits heimisch?

Die Schwerpunkte liegen in der Lüneburger Heide sowie in den Regionen Diepholz sowie in der Region zwischen Bremerhaven und Cuxhaven. Derzeit gibt es 14 registrierte Rudel. Der Wolf steht unter Naturschutz und dürfte sich nach und nach weitere Regionen erschließen. Genaue Informationen können unter www.wolfsmonitoring.com abgerufen werden.

Ein Nutztier wird von einem Nutztier gerissen. Gibt es dafür Entschädigung?

Ja, wenn ein Nutztier von einem Wolf erbeutet wurde, bietet das Land Niedersachsen unter bestimmten Bedingungen Ausgleichszahlungen für den Wert des Tieres, entstandene Tierarzt- und gegebenenfalls Tierkörperbeseitigungskosten. Es handelt sich um freiwillige Zahlungen. Ein Ausgleich wird für Schafe, Ziegen, Gatterwild, Rinder, Pferde, Jagd- und Hütehunde sowie Herdenschutztiere gezahlt.

Was müssen Halter unternehmen, wenn der Wolf ein Tier gerissen hat?

Das getötete Tier sollte unberührt liegen bleiben. Es sollte beispielsweise mit einer Plane gegen Aasfresser geschützt werden, da sonst Spuren verwischt werden könnten. Außerdem muss schnellstens ein Wolfsberater alarmiert werden, der Unterstützung bietet. Im Landkreis Göttingen gibt es derzeit drei und im Landkreis Northeim fünf Berater. Hier gibt es Kontakt.

Was macht der Wolfberater bei seinem Einsatz?

Er dokumentiert den Fall, wenn der Verdacht besteht, dass ein Wolf beteiligt war, damit der Schaden reguliert werden kann. 2017 geschah dies in etwa 140 Fällen. Für die Behandlung verletzter Tiere ist der Halter selbst verantwortlich. Im Nachgang wird dann durch das Wolfsbüro des Landes für jeden Einzelfall geklärt, ob ein Wolf für den Tierriss verantwortlich war.

Gibt es eigentlich für Ausgleichszahlungen für gerissene Tiere bestimmte Voraussetzungen?

Ja, demnächst wird auch in Südniedersachsen für gerissene Schafe, Ziegen und Gatterwild nur noch gezahlt, wenn Mindeststandards zum Herdenschutz gewährleistet sind – zum Beispiel durch Bau eines entsprechenden Zauns.

Besitzer welcher Tiere bekommen für den Bau des Herdenschutzes finanzielle Unterstützung?

Halter von Schafen, Ziegen und Gatterwild können für den vorbeugenden Herdenschutz finanzielle Unterstützung beantragen. Aktuell gefördert werden 80 Prozent der Materialkosten bis zu einem Höchstbetrag von 30 000 Euro. Die Fördermöglichkeiten sollen aber nach dem Willen der Landesregierung noch verbessert werden. Keine Unterstützung bekommen derzeit Halter von Pferden und Rindern.

Wo gibt es die Anträge für die Unterstützung?

Anträge gibt es direkt beim Wolfsbüro des NLWKN, das die Anträge prüft oder auf der Internetseite des Wolfsbüros. Es prüft auch die gestellten Anträge. Unterstützung beim Ausfüllen gibt es beim Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen.

Kontakt: Wolfsbüro des NLWKN, Göttinger Chaussee 76a, 30453 Hannover, Tel. 0511/3034-3034.

Hier gibt es Kontakt zum Wolfsbüro.

Tipps von Experten: Was tun, wenn man einem Wolf begegnet?

Immer wieder kommt zu Begegnungen zwischen Mensch und Wolf. Dafür haben Experten des Niedersächsischen Wolfsbüros Verhaltenstipps entwickelt: 

• Bleiben Sie ruhig: Beobachten Sie den Wolf und halten Sie – wie zu anderen Wildtieren – respektvollen Abstand. Fühlen Sie sich unwohl, ziehen Sie sich langsam mit Blickrichtung zum Tier zurück. Rennen Sie nicht weg! 

• Wenn das Tier Sie bemerkt, wird es sich in der Regel zurückziehen, geben Sie ihm Zeit und raum dazu. Der Wolf entfernt sich durch langsames Davontraben und dreht sich eventuell mehrfach um. 

• Wenn es die Situation zulässt, so machen Sie Fotos. Verfolgen Sie das Tier aber nicht. 

• Füttern Sie das Tier unter keinen Umständen! Locken Sie es nicht an, es könnte seine Vorsicht verlieren! 

• Junge Wölfe sind häufig neugieriger als ausgewachsene Wölfe. Folgt Ihnen ein Tier wieder Erwarten, halten Sie an. Treten Sie möglichst selbstsicher auf. Gehen Sie eher auf das Tier zu als von ihm weg. Machen Sie Lärm (zum Beispiel Klatschen) und versuchen Sie das Tier einzuschüchtern, indem Sie sich groß machen, Arme und Kleidungsstücke schwenken, es anschreien oder auch mit Gegenständen werfen. 

• Sollten Sie sich damit sicherer fühlen, können Sie auch Pfefferspray oder eine Trillerpfeife mitführen. 

• Sind Sie mit einem Hund unterwegs, lassen Sie ihn nicht vor der Leine, sondern behalten ihn nahe bei sich.

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