Klassenzimmer-Theater

Schwere Kost ganz leicht

Ein Stück zum Nachdenken und Schmunzeln: Ayhan (Norman Grüß) und Sara (Kathrin Müller-Grüß) tauschen die Rollen. Foto: Michaela Oswald/ nh

Göttingen. Als Norman Grüß den Raum betritt, wird es schlagartig ruhig in der Klasse 6.3 der integrierten Gesamtschule (IGS) Bovenden. Mit Jeans, Mütze und Plastiktüte schlendert er zwischen den Tischen hindurch.

In der Ecke sitzt Kathrin Müller-Grüß und lässt die Beine baumeln. Beide sind Schauspieler und die Klasse ist ihre Bühne. Zwischen Schulranzen und Pausenbroten hatte das Zweipersonenstück „Hasenland“ des Deutschen Theaters in Göttingen am Donnerstag Premiere.

Ayhan hasst Kopftücher, Sara hasst schleimigen Biofraß. Sein Vater kann kein deutsch, ihrer ist selten zu Hause. Er ist ruhig, sie aufgedreht. Beide verbindet, dass sie ungern nach Hause gehen. Und so werden sie Freunde, nein, Hasen, wie sie es nennen, und können im Hasenland einen Moment ihre Sorgen vergessen.

Was klingt wie schwere Kost, kommt in der Inszenierung von Swantje Möller mit einer verspielten Leichtigkeit daher. Zum einen wegen der temporeichen Dialoge, zum anderen wegen der Schauspieler, die den Figuren einen jugendlichen Charme gaben, ohne albern zu wirken. Probleme wurden nicht gewälzt, sondern kamen nebenbei ans Licht. Dabei gab es immer noch viele Momente zum Schmunzeln.

Mit vollem Körpereinsatz füllten die Darsteller den Raum vor, zwischen und manchmal auch auf den Pulten. Die Kinder waren mal Publikum, mal Teil des Stücks. Zum Beispiel als Sara eine Liste mit Dingen schreibt, die sie liebt – „Oma“, rief ein Junge in der ersten Reihe, „Döner“ ein anderer.

Die 6.3 kennt die Stellen, an denen es spannend wird, denn sie ist Patenklasse des Klassenzimmerstücks. Bei drei Proben waren die Schüler zwischen zwölf und vierzehn Jahren dabei, um hinter die Kulissen zu schauen. Sie lernten, wie eine Inszenierung entsteht, wie geprobt wird und wer an so einem Stück beteiligt ist.

Obwohl die Kinder die Pointen schon kannten, wurde bei der Premiere viel gelacht. Dazu brauchte es nicht mehr als eine zu kleine Jacke, in die sich Grüß quetscht, als Ayhan und Sara die Rollen tauschen wollen. Und auch der Applaus fiel herzlich aus.

Weitere Auftritte finden auf Anfrage in weiteren Schulen statt. Termine können mit dem Team des Jungen Schauspiels unter Tel. 05 51 / 49 69 48 vereinbart werden.

Von Verena Schulz

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