Sommeraktion beim Luftsportverein

Mit 14 Jahren Pilot werden – „Bei uns lernen junge Menschen früh, Verantwortung zu tragen“

Hat sein Flugzeug auch schon auf einem Acker sicher zu Boden gebracht: Vereinssprecher Marian Linke aus Göttingen.
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Hat sein Flugzeug auch schon auf einem Acker sicher zu Boden gebracht: Vereinssprecher Marian Linke aus Göttingen.

Flugzeuge steuern, und das bereits mit 14 Jahren? Beim Luftsportverein Aue/Hattorf im Kreis Göttingen ist das möglich. Viele Teenager verbringen dort ihre Ferien.

Hattorf – Bereits mit 14 Jahren können Flugschüler des Luftsportvereins Aue/Hattorf alleine im Cockpit sitzen und ihr Segelflugzeug selbst steuern. „Bei uns lernen junge Menschen früh, Verantwortung zu tragen“, betont Vereinssprecher Marian Linke.

„Viele aus unserer 20-köpfigen Jugendgruppe reizt es, in einem Alter Pilot zu sein, wo sie den Führerschein noch lange nicht machen dürfen“, berichtet Linke. Auch ohne Führerschein Autofahren dürfen die Jugendlichen auf dem großen Privatgelände, das sich entlang der Oder erstreckt.

Geschenkt wird den jungen Menschen allerdings nichts. „Wer Pilot werden will, muss sich an Regeln halten“, stellt Vereinssprecher Linke klar. Das beginnt damit, dass das Flugfeld immer nur im rechten Winkel zur gut einen Kilometer langen Start- und Landebahn überquert wird.

Für Blindflüge in Wolken ist die Technik eines Segelflugzeugs nicht ausgelegt: Blick ins Cockpit.

Landkreis Göttingen: Luftsportverein verfügt über mehrere eigene Flugzeuge

Mehrere Jahre dauert es, bis Flugschüler den Flugschein erworben haben. Es gibt viel zu lernen. Die meisten verbringen an Wochenenden oder in den Ferien ganze Tage auf dem Flugplatz. Morgens wird gemeinsam gefrühstückt, abends gegrillt. Nicht wenige schlafen sogar im Flughafengebäude, das über einige Mehrbettzimmer sowie Duschen und Waschmaschinen verfügt. Bei schlechtem Wetter wird Theorie gepaukt, bei Sonnenschein auf dem Platz gearbeitet und geflogen.

Die hohe Zahl an Flugschülern in Hattorf hat auch damit zu tun, dass zwölf Vereinsmitglieder die Fluglehrerlizenz erworben haben. Außerdem verfügt der Verein über eigene Flugzeuge: fünf Einsitzer, zwei Doppelsitzer und einen Motorsegler. Der Platz verfügt zudem im Vergleich zu anderen Segelflugplätzen über eine gute Infrastruktur, hat fließendes Wasser und Strom.

Der Flugleiter hält Funkkontakt zu startenden und landenden Piloten: Ole Paulsen.

Sowohl Teenager als auch Rentner lernen im Kreis Göttingen das Fliegen

Nicht nur Teenager lernen in der Aue fliegen. Andere sind bereits zwischen 40 und 60 Jahren alt, wollen den Alltagsstress hinter sich lassen, suchen die Ruhe hoch oben am Himmel. Unter den 80 aktiven Mitgliedern gibt es aber auch einige Berufspiloten, die auch in der Freizeit im Cockpit sitzen möchten.

„Fliegen kann man bis ins hohe Alter“, berichtet Vereinsmitglied Jörg Lüer. Senioren müssen allerdings jährlich beim Fliegerarzt ihre Flugtauglichkeit nachweisen. Lüer hat nach 36 Jahren aus gesundheitlichen Gründen mit dem Fliegen aufgehört. Dem Luftsport ist er wie andere ältere Mitglieder jedoch verbunden geblieben, kommt weiter auf den Flugplatz, packt dort mit an.

Karte: Hier ist der Segelflugplatz Aue bei Hattorf zu finden

Landkreis Göttingen: Segelflieger legen Strecken von bis zu 800 Kilometern zurück

„Es gibt zwei Arten mit einem Segelflugzeug zu starten“, erläutert Fluglehrer Jochen Wachenhausen. Der Segler lässt sich mit der Winde – wie ein Drachen – in wenigen Sekunden auf 400 Meter Höhe ziehen, bevor sich das Stahlseil ausklinkt.

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Langsamer zieht ein Motorsegler das Flugzeug in die Luft, dann aber auf mehr als 800 Meter. Oben am Himmel suchen die Segelflieger nach Stellen, wo warme Luft vom Boden aufsteigt. In einer solchen Säule kurbeln sie sich hinauf bis auf 1800 Meter Höhe. Dann gleiten sie allmählich hinab zur Erde. Finden sie rechtzeitig wieder Aufwind und steigen erneut auf, können sie im Laufe eines Tages Strecken von 800 Kilometern zurücklegen. Bei Sonnenuntergang ist es vorbei mit der Thermik.

Die Piloten bemühen sich auf einem Flugplatz zu landen, nutzen aber auch schon mal einen Acker. „In solchen Fällen bringt ein Rückholtrupp sie und den Flieger zurück“, berichtet Fluglehrer Wachenhausen. (Michael Caspar)

Ein Segelflieger aus Allendorf (Eder) ist kürzlich zum Junioren-Europameister gekürt worden.

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