Abgeordnete Viola von Cramon (Grüne) im Interview über ihren Besuch in Vancouver

Selbst grüne Spiele schaden

Vancouver/Göttingen. Die Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon (Bündnis 90/Die Grünen) aus Waake (Kreis Göttingen) erlebt die Olympischen Winterspiele in Vancouver hautnah. Als Mitglied des Sportausschusses des Bundestages macht sie sich vor Ort einen Eindruck von den Spielen. Wir sprachen mit ihr.

Frau von Cramon, in Vancouver fehlt es am Wichtigsten für Winterspiele: dem Schnee. Kommt man da überhaupt in Olympia-Stimmung?

Viola von Cramon: Es ist schon etwas paradox, dass wir aus dem schneereichen Deutschland in den schneearmen Westen Kanadas reisen, um hier die Olympischen Winterspiele zu feiern. Einige Athleten aus Deutschland kamen wegen der schwierigen Witterung sogar zu spät zu ihren Wettkämpfen in Vancouver. Selbstverständlich lästern wir etwas über die „Wasserspiele“. Vor allem für die Athleten, weniger für die Zuschauer, würden wir uns natürlich richtig viel echten Schnee wünschen. Insbesondere für die Skifahrer sind die warmen Temperaturen nicht einfach. Das haben wir am Montag beim Abfahrtslauf der Männer gesehen. Aber das Wettkampfgefühl und die Begeisterung für die Spiele kann das alles kaum trüben.

Welche deutschen Sportler haben Sie schon getroffen?

von Cramon: Wir sind ja erst einen Tag nach der Eröffnung eingetroffen und haben seitdem viele Sportler getroffen, wobei ich zugeben muss, sicherlich nicht immer alle zu erkennen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir André Lange, der erfolgreiche Bob-Pilot, und die deutschen Eishockeyherren. Gesehen haben wir den Biathlon- und den Rodelwettbewerb der Männer, den Abfahrtslauf der Herren, Langlauf der Männer und das Frauen-Eishockeyspiel Schweden gegen die Slowakei.

Worüber sprechen Sie mit den Athleten?

von Cramon: Vor allem über ihre Chancen, ihr Abschneiden und die Bedingungen hier in Kanada.

Als Grüne dürfte Sie vor allem das Konzept des „Grünen Olympia“ interessieren. Vancouver wirbt damit, dass das Großereignis umweltverträglich ist. Wie ist Ihr Eindruck?

von Cramon: Sportliche Großereignisse haben immer negative Auswirkungen auf die Ökologie und die Umwelt. Selbst mit einem „Grünen Konzept“ ist das nicht zu verhindern, sondern es ist maximal möglich, Schadensbegrenzung zu betreiben. Die Provinz British-Columbia hat den großen Vorteil, ihren Energiebedarf maßgeblich über die saubere Wasserkraft decken zu können. Das ist ein ganz wichtiger Baustein für „Grüne Spiele“.

Was ist mit den Sportstätten?

Die Organisatoren haben sich bemüht, die Sportstätten vorübergehend zu erstellen und die Outdoor-Veranstaltungen an einem Ort zu konzentrieren. Das wirkt auf den ersten Eindruck sehr gelungen. Es gibt vernünftige Perspektiven für die Nachnutzung, und man hat sich bemüht, den Verkehr weniger über Individualverkehr, sondern zum Großteil über Shuttlebusse zu den Sportstätten abzuwickeln.

München und Garmisch-Partenkirchen bewerben sich um die Austragung der Winterspiele 2018. Was können die Bayern von Vancouver lernen?

von Cramon: Die Kanadier, also die Menschen in der Region, und die Olympia-Helfer, sind unglaublich hilfsbereit, freundlich und aufgeschlossen. Alle bemühen sich umgehend, den Besuchern der Spiele weiterzuhelfen. Das ist ein Riesenplus.

Und die Kosten?

von Cramon: Wichtig scheint mir zu sein, für eine gute und seriöse Planung Transparenz auf der Kostenseite herzustellen. Ich empfehle, mit den Menschen vor Ort frühzeitig ins Gespräch zu kommen und die wirklichen Kosten für die Spiele auf den Tisch zu legen, damit der Kater nach dem Abschluss der Veranstaltung nicht zu groß ist. Die finanzielle Lastenaufteilung für die  Spiele sollte      alle Beteiligten     wirklich klar     sein. Aber     selbstverständ-      lich hat jeder     Bewerber und     jeder Ausrichter     seine eigenen Rah-     menbedingungen,     da   helfen    Patentre-     zepte      nicht wirklich      weiter.

Der Trip der Abgeordneten nach Vancouver ist kein billiges Vergnügen. Was sagen Sie Kritikern, die von einer Lustreise sprechen?

von Cramon: Es handelt sich hier nicht um einen Ausflug, sondern darum, mein Mandat als Sportpolitikerin wahrnehmen zu können. Ich kann natürlich nur für mich selbst sprechen: Aber ich habe mir ein Arbeitsprogramm vorgenommen, das ich Punkt für Punkt abarbeite. Ich nutze damit alle Möglichkeiten, um einen Gesamteindruck von dieser sportpolitischen Großveranstaltung zu erhalten.

Hier kommen die Sportpolitiker alle Nationen zusammen, dieses Netzwerk ist extrem wichtig für die weitere Zusammenarbeit. Insbesondere vor dem Hintergrund der Olympiabewerbung von München/Garmisch ist es wichtig, sich einen Eindruck vor Ort zu machen, um am Ende eine vernünftige Entscheidung über den Ausrichtungsort fällen zu können.

Es gibt auch Olympia-Kritiker.

von Cramon: Ich habe mich mich am Rande der Großveranstaltung mit den Gegnern der Olympischen Spiele getroffen und werde mich weiter umfassend über die Auswirkungen der Spiele hier in der Region informieren.

Von Peter Ketteritzsch

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