Rosdorf

Sicherungsverwahrung in Rosdorf: Mehr Freiraum hinter Gittern

Im Zeitplan: Der Neubau für Sicherungsverwahrte auf dem Gelände der Justizvollzuganstalt
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Im Zeitplan: Der Neubau für Sicherungsverwahrte auf dem Gelände der Justizvollzuganstalt.

Rosdorf. Hellbraune Ziegel, vergitterte Fenster: Von außen unterscheidet sich das dreigeschossige Gebäude, das derzeit auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Rosdorf entsteht, nur wenig von den übrigen Gefängnisbauten. Doch der Neubau ist für die niedersächsische Justiz zugleich Neuland.

Iim Juni sollen hier die ersten Bewohner einziehen. Hier werden künftig ausschließlich Sicherungsverwahrte untergebracht. Das sind Straftäter, die bereits ihre Haftstrafe verbüßt haben, jedoch weiterhin als so gefährlich gelten, dass die Allgemeinheit vor ihnen geschützt werden muss. Mit dem Neubau setzt das Land Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts um. Sicherungsverwahrte haben aufgrund ihrer Gefährlichkeit zwar keinen Anspruch auf ein Leben in Freiheit, wohl aber auf größere Freiräume.

Dies ist wörtlich zu nehmen: Während die Zellen der Untersuchungs- und Strafgefangenen in Niedersachsens modernster Haftanstalt etwa neun Quadratmeter groß sind, verfügen die Sicherungsverwahrten künftig über einen 23 Quadratmeter großen Wohnbereich mit eigener Dusche. Hinzu kommen Gruppenräume und eine Küche, die sie gemeinsam mit den anderen Angehörigen ihrer Wohngruppe nutzen können. Insgesamt verfügt das Gebäude über 45 Einzelunterkünfte in sechs Wohngruppen.

Die Sicherungsverwahrten können sich in dem gesamten separaten Gebäude sowie dem dazu gehörenden Außengelände frei bewegen allerdings nur von 6 bis 22 Uhr. Nachts werden sie in ihren Wohnbereich eingeschlossen. "Sie dürfen sich auch selbst verpflegen und können theoretisch jeden Tag Besuch bekommen", erläutert JVA-Leiterin Regina Weichert-Pleuger.

Für die Vollzugsbediensteten sowie die Psychologen und Psychiater bedeutet diese Art der Unterbringung eine besondere Herausforderung. "Wir müssen uns auf ganz neue Bedingungen einstellen", sagt Weichert-Pleuger. So befinden sich die Büros und Besprechungsräume mitten im Vollzugsbereich. "Im Vergleich zur Strafhaft ist im Wohngruppenvollzug die räumliche und körperliche Nähe sehr viel größer", sagt sie. Aufgabe der Mitarbeiter ist es, den Alltag von als hoch gefährlich eingestuften Menschen mit zu gestalten, unter anderem durch gemeinsame Aktivitäten wie eine Kochgruppe.

Fortbildungsprogramm

Um die Bediensteten auf die neuen Aufgaben vorzubereiten, startet im Februar ein umfangreiches Fortbildungsprogramm, bei dem sie unter anderem mit den aktuellen Rechtsgrundlagen der Sicherungsverwahrung und den Unterschieden zum Vollzugsgesetz vertraut gemacht werden. Weichert-Pleuger: "Ich bestehe darauf, dass alle das Gesetz lesen." Hinzu kommen Schulungen zu therapeutischen Aspekten oder zur Gesprächsführung.

Zunächst sollen in Rosdorf 19 Sicherungsverwahrte untergebracht werden, die sich derzeit noch in der Justizvollzugsanstalt Celle befinden. Weichert-Pleuger ist optimistisch, dass die Verlegung wie geplant im Juni stattfinden kann: "Wir befinden uns mit den Bauarbeiten im Zeitplan."

Von Heidi Niemann

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