Sieben Jahre Haft für tödliche Messerattacke in Göttinger Innenstadt

Der Eingang zum Landgericht Göttinger: Hier fiel am Dienstag das Urteil in dem Prozess um die tödliche Messerattacke. Foto: Schlegel

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Dienstag einen 23-jährigen Angeklagten wegen einer tödlichen Messerattacke vor einem Lokal in der Göttinger Innenstadt zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der 23-Jährige im vergangenen Juli einem 34-jährigen Mann mit einem Küchenmesser in die Brust gestochen hatte. Nach Ansicht der Kammer hat der Angeklagte aus Wut zugestochen, weil der 34-Jährige ihm unmittelbar zuvor eine Ohrfeige verpasst hatte. Der 34-Jährige erlitt einen 15 Zentimeter tiefen Stich ins Herz und erlag wenig später im Göttinger Uni-Klinikum seinen schweren Verletzungen.

Ein 31-jähriger Mitangeklagter, den die Staatsanwaltschaft ebenfalls wegen Totschlags angeklagt hatte, wurde wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt. Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, die Arme des 34-Jährigen auf dem Rücken festgehalten zu haben. Vor Gericht habe keiner der befragten Zeugen verlässlich ausgesagt, dass der 31-Jährige an der Tat beteiligt gewesen sei, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz.

Der 31-Jährige hatte wegen des Verdachts ein halbes Jahr lang in Untersuchungshaft gesessen und bekommt nun eine Haftentschädigung. Das Gericht warf ihm allerdings vor, dass er in das Gasthaus zurückgegangen sei, ohne dem Schwerverletzten Hilfe zu leisten.

Der 31-Jährige begründete dies damit, dass er die Notrufnummer nicht kenne und sich auch gar nicht hätte verständlich machen können, weil er kein Deutsch könne. Er habe außerdem mitbekommen, dass eine Frau Hilfe herbeitelefoniert habe.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die für den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren gefordert hatte. Die Verteidiger hatten dagegen jeweils auf Freispruch plädiert.

Nach Ansicht des Gerichts hat der Angeklagte allerdings nicht aus Angst, sondern aus Wut zugestochen. Der 23-Jährige sei zuvor wiederholt durch aggressives und gewalttätiges Verhalten aufgefallen. In allen Fällen seien sowohl Alkohol als auch ein Messer im Spiel gewesen, sagte der Richter. Wegen seines Hanges zu übermäßigem Alkoholgenuss bedürfe der Angeklagte therapeutischer Hilfe. Die Kammer ordnete deshalb an, dass er in einer Entziehungsanstalt untergebracht wird, nachdem er zwei Jahre Haft verbüßt hat.

Der Angeklagte hatte in seinem Schlusswort noch einmal beteuert, dass er nie die Absicht gehabt habe, den 34-Jährigen zu töten und zutiefst bedauere, was passiert sei. Er habe Angst um sein Leben gehabt.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.