Zentrale gegen Kriminalität

So nehmen Betrüger Senioren ins Visier und das tut die Polizei dagegen

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Eine ältere Frau am Smartphone: Senioren werden häufig Opfer von Telefon-Betrügern.

Enkeltrick, falsche Polizisten und betrügerische Gewinnversprechen: Kriminelle nehmen mit verschiedenen Methoden ältere Menschen ins Visier. 

Die Kriminalpolizei in Braunschweig will die Bekämpfung von Straftaten gegen Senioren nun in einer zentralen Stelle mit einer eigenen Einheit bündeln.

Was macht Kriminalität gegen ältere Menschen besonders?

Die Taten sind vielfältig, weil Betrüger kreativ agieren. Das ist ein Ergebnis eines Experten-Symposiums mit Vertreten von Geldinstituten, Pflegediensten und Seniorenverbänden im März dieses Jahres. Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger meist bei älteren und allein lebenden Menschen an und geben sich als Verwandte aus. Vereinsamung, Zerstreutheit und Demenz machen Senioren dem niedersächsischen Innenministerium zufolge oft zu leichten Opfern für eine vorgetäuschte finanzielle Notlage. Bei der Geldbeschaffung helfen die Täter demnach häufig sogar und bestellen etwa ein Taxi für den Weg zur Bank.

Steigt die Zahl der Taten an?

Der sogenannte Enkeltrick und ähnliche Varianten des Betrugs werden nach Angaben des Innenministeriums in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht explizit erfasst, sondern tauchen in der Rubrik „Sonstige weitere Betrugsarten“ auf. Für das Beispiel der Inspektion Braunschweig nennt das Ministerium dabei in den vergangenen fünf Jahren aber immer deutlich mehr als 100 Fälle. Zuletzt sank die Zahl allerdings von 182 im Jahr 2017 auf 129 im vergangenen Jahr. Bei Gewalttaten zeigt die Statistik, dass ältere Menschen ab 60 Jahren verhältnismäßig selten Opfer werden. Rund 12 000 Opfer dieser Altersgruppe wurden 2018 bundesweit registriert.

Erbeuten die Täter viel Geld?

Der Schaden im Raum der Direktion Braunschweig wird 2018 mit fast 1,7 Millionen Euro beziffert. Experten zufolge muss zudem davon ausgegangen werden, dass viele Straftaten gegen Ältere nicht angezeigt werden, weil die Opfer sich scheuten, zur Polizei zu gehen oder sich ihren Angehörigen anzuvertrauen.

Welche Folgen haben die Taten für die Senioren?

Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes warnt davor, Straftaten gegen ältere Menschen zu verharmlosen. Vergleichsweise geringe Zahlen der Statistik nützten einzelnen Opfern nichts. Die Angst vor den Folgen von Gewalt könne bei Senioren schwerer wiegen als bei jüngeren Opfern. Eine konkrete eigene Erfahrung kann die altersbedingte Unsicherheit laut Beratungsstelle weiter verstärken.

Was soll die neue Polizei-Einheit erreichen?

Ein besonderes Problem liegt nach Auffassung des Innenministeriums darin, dass es den Betrügern trotz der Präventionsarbeit immer wieder gelingt, Straftaten gegen ältere Menschen zu begehen. Die neue zentrale Einheit soll beispielsweise die Ermittlungen bündeln und Präventionsmaßnahmen effektiver auf den Weg bringen. lni

Bei Verdacht einfach auflegen

Die Polizei rät zu besonderer Vorsicht beim Verdacht auf falsche Polizisten und empfiehlt die Beachtung folgender Hinweise: 

Die Polizei wird niemals um Geldbeträge bitten. Die Polizei ruft niemals unter der Polizeinotruf-Nummer 110 an. Das tun nur Betrüger. 

Nie am Telefon über persönliche und finanziellen Verhältnisse Auskunft geben – am besten einfach den Hörer auflegen. Nur so wird man Betrüger los. Das ist keinesfalls unhöflich. 

In folgenden Fällen sollte man sofort auflegen: Wenn man nicht sicher ist, wer anruft; wenn der Anrufer nach persönlichen Daten und den finanziellen Verhältnissen fragt; wenn der Anrufer dazu auffordert, Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände herauszugeben oder Geld zu überweisen, insbesondere ins Ausland. 

Wer glaubt, Opfer eines Betrugs geworden zu sein, sollte sich sofort an die örtliche Polizeidienststelle wenden und Anzeige erstatten.

zu.hna.de/polizei1119

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