Sport ist Jungbrunnen fürs Hirn

Neurobiologinnen erforschen die Wirkung von Bewegung auf Gehirne von Mäusen: Prof. Dr. Siegrid Löwel (rechts) und Dr. Franziska Greifzu (links), vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie, Abteilung Systemische Neurobiologie der Uni Göttingen. Foto: nh

Göttingen. Sport hält die Psyche gesund und verlangsamt den Leistungsverlust des Gehirns, hält also jung. Diese Erkenntnisse haben Göttinger Forscherinnen bei Versuchen mit Mäusen gewonnen. Doch was für Mäuse zutrifft, gilt auch für Menschen, sagen die Wissenschaftlerinnen um Prof. Dr. Siegrid Löwel.

Sie haben herausgefunden, dass freiwilliges Rennen den Zeitraum jugendlicher Anpassungsfähigkeit im Gehirn der Mäuse bis ins Erwachsenenalter verlängern kann. Auch konnte diese Art jugendlicher Anpassungsfähigkeit in der Studie bei erwachsenen Mäusen in einem Alter wiederhergestellt werden, in dem die Sehrindenplastizität üblicherweise nicht mehr vorhanden ist. „Wenige Tage freiwilliges Training im Laufrad waren genug, um die plastischen Veränderungen im Gehirn wieder zu ermöglichen. Das zeigt uns, dass es niemals zu spät ist, um von sportlicher Betätigung zu profitieren“, sagt Dr. Franziska Greifzu.

Die inversiven Messungen im Gehirn sind bei Menschen unmöglich, aber die Ergebnisse aus den Mäuse-Tests durchaus auf Menschen übertragbar, meint Siegrid Löwel: „Ich bin zutiefst überzeugt. dass das bei uns nicht anders ist.“ Andere Studien hätten auch bewiesen, dass regelmäßiges Sporttreiben antidepressiv und entzündungshemmend wirke. „Krankheiten bilden sich weniger stark aus oder können verhindert werden.“

Auch wirke der Sport stimulierend für die Psyche: Körperliche Betätigung wirkt intrinsisch belohnend. Werden die Mäuse in Standardkäfigen aufgezogen, nimmt eine bestimmte Form der Anpassungsfähigkeit neuronaler Schaltkreise in der Sehrinde (Plastizität) mit dem Alter ab und ist bei über 110 Tage alten Tieren nicht mehr nachweisbar. „Hatten die Mäuse jedoch ein Laufrad im Käfig, zeigten sie diese Art von Plastizität sogar bis zu einem Alter von mindestens 242 Tagen. Interessanterweise zeigte die Sehrindenplastizität bei den alten ,Laufrad‘-Mäusen die gleichen Charakteristika wie bei jungen Mäusen“, schildert Siegrid Löwel, Studienleiterin vom Johann-Friedrich-Blumenbach Institut für Zoologie und Anthropologie.

Auch 2014 hatte die Forschungsgruppe der Uni Göttingen für Aufsehen gesorgt: Ergebnisse hatten gezeigt, dass eine stimulierende Umwelt jugendliche Anpassungsfähigkeit im Gehirn erwachsener Mäuse nicht nur bewahren, sondern wiederherstellen kann. Erwachsene Mäuse konnten so vor einer durch einen Schlaganfall beeinträchtigten Anpassungsfähigkeit geschützt werden.

Die Mäuse lebten in großen Käfigen, konnten im Laufrad rennen. Und das tun sie gerne: Haben die Nager Zugang zu einem Laufrad, dann rennen sie freiwillig viele Kilometer pro Tag. „Sie stehen sogar Schlange, wenn nicht jede Maus Zugang zum Laufrad hat“, schildert Siegrid Löwel.

Von Thomas Kopietz

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