Sprint-Legenden erzählen: Wenig Training, viele Starts

Gut gelaunte Talk-Runde: Moderator Wolfgang Buss, die Sprint-Stars Manfred Germar, Jutta Heine und Heinz Fütterer sowie Moderator Andreas Lindemeier (von links). Foto: Niesen 

Göttingen. Drei Sprint-Stars der 1950er und 1960er Jahre waren am Freitagabend Gesprächspartner in der Reihe „Prominente aus dem Sport zu Gast bei der DOG“ in Göttingen.

Im Vergleich zu heutigen Leichtathleten haben die Sprint-Legenden Jutta Heine (75), Heinz Fütterer (84) und Manfred Germar (80) wenig trainiert, aber umso mehr Starts bei Wettbewerben absolviert, in manchen Jahren bis zu 150. „Das hat uns die nötige Wettkampfhärte gegeben“, verriet Heinz Fütterer beim Talk der Deutschen Olympischen Gesellschaft Göttingen/Südniedersachsen mit den Moderatoren Andreas Lindemeier und Prof. Dr. Wolfgang Buss. vor über 100 Zuhörern im Hotel Freizeit In.

Heinz Fütterer, gelernter Rhein-Fischer und späterer Kaufmann, lief 1954 Weltrekord über 100 Meter in 10,2 Sekunden und gewann 1956 bei den Olympischen Spielen in Melbourne die Bronzemedaille mit der 4 x 100 Meter-Staffel.

„Wir hatten ja damals nichts nach dem Zweiten Weltkrieg“, erinnerte er sich an die Anfänge. „Zu meinen ersten Schuhen mit Nägeln (Spikes) kam ich, weil ich das samtblaue Verlobungskleid meiner Schwester gegen sie eingetauscht habe.“ Von Förderung nach heutigem Muster konnten die Sprinter nur träumen. „Ich bin im Unterhemd gestartet.“

„Na, eine Hose wirst du noch angehabt haben“, frotzelte Jutta Heine, zweifache Silbermedaillengewinnerin im 200-Meter-Lauf und mit der 4 x 100-Meter-Staffel 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom. Über die groß gewachsene Frau, die sich zu Beginn der Talkrunde erst einmal mit Genuss ein kleines Bier gönnte, schrieb der Spiegel 1962 die Titelgeschichte „Das Deutsche Fräuleinwunder auf der Aschenbahn“. Jutta Heine süffisant: „Wegen meiner langen Beine.“

Manfred Germar, Bronze-Medaillengewinner mit der 4 x 100-Meter-Staffel in Melbourne und Goldmedaillengewinner in Rom sowie 1958 Weltrekordler über 200 Meter in 20,6 Sekunden, bekannte, dass er meist nur zweimal in der Woche trainiert hat und im Winter auch schon mal drei Monate Pause gemacht hat. Er erinnerte auch daran, dass damals strikt auf den Amateurstatus der Athleten geachtet wurde. „Über das Finanzielle wurde nicht gesprochen.“

Dafür erhielten die Athleten damals die Möglichkeit, in viele Länder zu reisen – manchmal für mehrere Wochen, unter anderem nach Japan. Fütterer: „Ich hatte ja nur die Volksschule besucht. Dass ich weltoffen wurde, habe ich der Leichtathletik zu verdanken.“ (zhp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.