Rap-Song nach Todesschüssen von Reiffenhausen - Lebenslang gefordert

An der Autobahn 38: Das Opfer war im Februar 2015 in der Nähe von Reiffenhausen gefunden worden. Archivfoto: Rampfel

Göttingen/Reiffenhausen. Knapp ein Jahr nach der Ermordung eines 27-jährigen Mannes aus Reiffenhausen hat die Staatsanwaltschaft am Montag im Prozess vor dem Landgericht Göttingen eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert.

Der 29-Jährige sei des Mordes aus niedrigen Beweggründen schuldig, sagte Staatsanwalt Christian Körber in seinem Plädoyer.

Er habe Anfang Februar vergangenen Jahres aus Rache den Bruder seiner damaligen Freundin erschossen. Der Angeklagte sei von Hass getrieben gewesen, weil der 27-Jährige ihn wegen mehrerer Diebstähle angezeigt hatte. Er habe den Bruder dafür verantwortlich gemacht, dass er wegen der Diebstahlvorwürfe aus dem Wohnhaus der Familie seiner Freundin hatte ausziehen müssen.

Fingierte Flirt-SMS

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft gibt es „keinen vernünftigen Zweifel“, dass der 29-Jährige den Mord begangen hat. Nicht nur der Täter, auch die Tatzeit stehe auf die Sekunde genau fest. Der Angeklagte habe den Bruder seiner Freundin am 2. Februar vergangenen Jahren mit einer fingierten Flirt-SMS abends in die Feldmark gelockt. Das spätere Opfer sei mit seinem Elektrofahrrad zu dem genannten Treffpunkt gefahren. Dort habe der 27-jährige dann um genau neun Minuten und 20 Sekunden nach 19 Uhr per Handy einen Notruf abgesetzt.

Sieben Sekunden später, noch bevor der Disponent in der Leitstelle den Notruf annehmen konnte, brach der Telefonkontakt ab. „Zu dem Zeitpunkt ist er gestorben“, sagte der Staatsanwalt.

Wenige Stunden vor der Tat soll der Angeklagte nachmittags einen Song des US-amerikanischen Gangsta-Rappers 50 Cent auf sein Handy heruntergeladen haben. Dies haben umfangreiche Datenauswertungen der Polizei ergeben. Wenige Sekunden nach den tödlichen Schüssen habe der Angeklagte etwa zwei Minuten lang dieses Lied abgespielt, berichtete am Montag die Leiterin der Mordkommission, Anne Kortleben. In dem Rap-Song gehe es um Gewalt, unter anderem fänden sich darin Textzeilen wie „Du kriegst dein Gehirn weggeblasen“ und „Willkommen in der Hölle“. Das Abspielen des Liedes stehe eindeutig im Kontext mit den Schüssen, sagte die Kripobeamtin.

Davon geht auch die Anklagebehörde aus. Der 29-Jährige habe mindestens sechs Schüsse auf den Bruder seiner Freundin abgefeuert, sagte Staatsanwalt Körber. Zahlreiche Indizien sprächen dafür, dass er der Schütze gewesen sei. Unter anderem fanden sich Schmauchspuren am Lenkrad des von ihm benutzten Firmenwagens und seiner Jeanshose.

Anschließend habe er den Leichnam über eine Wiese geschleift und unter einem Holzstapel versteckt. Einen Tag nach der Tat hatte die Familie des Getöteten eine Vermisstenanzeige erstattet. Neun Tage später fand die Polizei die Leiche.

Am Mittwoch will die Verteidigung ihr Plädoyer halten. Zwei Tage später soll das Urteil verkündet werden. (pid)

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