Bauhofmitarbeiter rücken Montag an

Stadt baut 38 Auto-Stellplätze am Kiessee: Kritik von drei Parteien

Naherholungsgebiet Kiessee im Süden von Göttingen: Hier an der Westseite des künstlichen Sees sollen 40 Parkplätze für Autos gebaut werden. Die Zufahrt soll über den existierenden Weg vom Sandweg erfolgen. Foto: Kopietz

Göttingen. Der Kiessee im Süden von Göttingen ist ein von Besuchern stark frequentiertes Naherholungsgebiet. Parkplätze sind dort zu bestimmten Zeiten Mangelware.

Die Stadt wird das ändern und 38 weitere Stellplätze bauen. Ein Vorhaben, das politisch umstritten ist.

Der Beschluss der Stadt aber steht: Auf dem eigenen Gelände werden mit Bordmitteln und -Mitarbeitern die Parkplätze an der Westseite des Kiessees erweitert – also dort, wo Restaurant, Boots- und Vereinshäuser stehen.

Montag werden die Mitarbeiter das Baubetriebshofes in der Nähe der „Schneeweiß-Siedlung“ am Ende der am Sandweg abzweigenden Zufahrtstraße-Westufer anrücken und loslegen.

Basis für die Entscheidung war ein Vorschlag der SPD-Ratsfraktion. Die wollte ursprünglich noch mehr Parkplätze schaffen, nämlich 239. Nach Prüfung aber hatte die Stadtverwaltung diese große Lösung verworfen. Grund: die Kosten von etwa einer Million Euro wären zu hoch und nicht zu stemmen gewesen.

Die Kosten für die 38 Plätze sind geringer. Die Bauverwaltung beziffert sie auf 12.000 Euro, weil sie vom Baubetriebshof ausgeführt werden können.

Die Flächen sollen mit Basaltschotter befestigt werden. Die Anbindung erfolgt über einen vorhandenen Parkplatz und besagte Zufahrtstraße bis zum Sandweg.

Während die SPD-Fraktion als Initiator für den Parkplatzbau steht, sind die sonst oft übereinstimmenden Grünen gegen das Projekt: Die Stadt und der Oberbürgermeister stellten damit die „eindeutig die falschen Weichen“, teilt Dirk-Claas Ulrich mit.

Die Entscheidung zeige – auch mit Blick auf dieses sensible Naherholungsgebiet – ein falsches Verständnis davon, wie Umwelt und Mobilität in einer Stadt gedacht werden müssen. „Hier werden falsche Anreize gesetzt“, sagt Ulrich. Am Ende stünde noch mehr Autoverkehr und somit ein Bruch zum beschlossenen Klimaplan der Stadt Göttingen.

Die saubere Stadt der kurzen Wege funktioniere zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem öffentlichen Bus – nicht anders. Ulrich: „Die sozial- aber auch christdemokratischen Vorstellungen in der Verkehrspolitik sind dagegen einfach nur aus der Zeit gefallen.“

Die Piraten- und Die Partei-Ratsgruppe protestiert gar gegen den Bau. Die Verwaltung sei nur mit der Prüfung des SPD-Antrags beauftragt worden, aber „nicht zur unangekündigten Schaffung vollendeter Tatsachen“. Es müsse ein neuer Beschluss her. Auch stünde der Bau neuer Parkplätze im Gegensatz zum Klimaplan.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.