Als eine von zehn Kommunen im Norden

Stadt Göttingen verzichtet auf Glyphosat-Einsatz

Göttingen. Zehn Kommunen in Niedersachsen und Bremen, darunter die Stadt Göttingen, verzichten bei der Pflege ihrer Grün- und Freiflächen nach Angaben des Umweltverbandes BUND bereits auf Glyphosat und andere Pestizide.

Bundesweit seien es 90 Städte und Gemeinden, teilte der BUND am Freitag mit. Zu den „pestizidfreien Kommunen“ im Norden zählen neben Göttingen auch Bremen, Bremerhaven, Hannover, Hameln, Celle, Osnabrück, Salzgitter, Wolfsburg und der Altkreis Bersenbrück.

Auch der an den Lankreis Göttingen angrenzende Werra-Meißner-Kreis und dort die Stadt Hessisch Lichtenau gehören dazu. Im Werra-Meißner-Kreis gibt es den Pestizidverzicht auf den Grundstücken von Schulen und Verwaltungsgebäuden.

Mit dem Verzicht auf Glyphosat kämen Kommunalpolitiker ihrer Verantwortung für Menschen und Umwelt nach, sagte die BUND-Pestizid-Expertin Corinna Hölzel. Nach dem „unlauteren Ja“ von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), das für die Glyphosat-Wiederzulassung in Brüssel gesorgt habe, sei das Engagement vor Ort umso wichtiger.

Sowohl in der Landwirtschaft als auch in den Kommunen und in Hobbygärten gebe es umweltfreundliche Alternativen zu Glyphosat, die Insekten wie Bienen und Wildbienen nicht gefährdeten. „Statt giftgrünem Einheitsrasen oder exotischen Bepflanzungen können Städte und Gemeinden mit mehrjährigen Blühwiesen ein ganzjähriges Nahrungsangebot für Insekten schaffen.“

Die Stadt Göttingen säht alljährlich auf öffentlichen Flächen auch besagte Blühwiesen aus und setzt Blumenzwiebeln: Seit 1989 hat die Stadt knapp 1,5 Millionen Blumenzwiebeln stecken lassen, im Herbst 2016 allein etwa 45.000.

Das von der Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als wahrscheinlich krebserregend eingestufte Glyphosat sei mitverantwortlich für das dramatische Insektensterben und den Verlust der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft, sagte Hölzel. „Das Totalherbizid vernichtet alle Wildkräuter und entzieht dadurch Insekten die Nahrungsgrundlage und den Lebensraum.“

Das Insektensterben wiederum gefährde auch andere Tierarten und die Lebensmittelproduktion für Menschen, denn rund zwei Drittel der Kulturpflanzen seien auf Bestäuber angewiesen.

Eine interaktive Karte der pestizidfreien Kommunen und Beschlussvorlagen für Gemeinderäte sowie Infos zur „Pestizidfreien Kommune" finden Sie hier

Rubriklistenbild: © dpa

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