SPD-Forum „Zukunft:Stadt“ mit externen Fachleuten – Köhler fordert mehr Ehrlichkeit bei Planungen und benennt Fehler bei Projekten in Göttingen

Stadtplanung muss Bürger früher einbeziehen

Symposium-Teilnehmer: Sie referierten und diskutierten bei „Zukunft:Stadt“ des SPD-Stadtverbandes: Architekt Sergio Pascolo, Landschaftsarchitektin Johanna Sievers, Christian Henze (SPD), Silvia Binkenstein (SPD), Architekt Jan Wiese, Stadtplaner Carl Herwarth von Bittenfeld, Christoph Lehmann (SPD), Verkehrsplaner Gerhard Ritscher und Rolf-Georg Köhler. Foto: Kopietz
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Symposium-Teilnehmer: Sie referierten und diskutierten bei „Zukunft:Stadt“ des SPD-Stadtverbandes: Architekt Sergio Pascolo, Landschaftsarchitektin Johanna Sievers, Christian Henze (SPD), Silvia Binkenstein (SPD), Architekt Jan Wiese, Stadtplaner Carl Herwarth von Bittenfeld, Christoph Lehmann (SPD), Verkehrsplaner Gerhard Ritscher und Rolf-Georg Köhler. Foto: Kopietz

Göttingen. Der SPD-Stadtverband holte zu dem Tagessymposium „Zukunft:Stadt“ auswärtige Experten und diskutierte weltweite Entwicklungen, aber auch Projekte, wie die Bebauung des ehemaligen IWF-Geländes.

Ziel allen stadtplanerischen Handelns müsse die lebenswerte Stadt sein, sagt Christoph Lehmann in der Einführung. Die Bürger jedenfalls müssten Teil der Planung werden, von einem frühen Zeitpunkt an. In der Planung von Wohnprojekten müssten sich also die Bürger wiederfinden, dann sei eine Akzeptanz, ja Identifikation möglich. Bei Planungen müsse aber immer der spezielle Rhythmus einer Stadt beachtet werden, sagt der Göttinger Lehmann.

Eine Sicht, die sich auch in den Gedanken des venezianischen Architekten Sergio Pascolo wiederfindet. Er sagt, als Stadtplaner müsse man den Menschen wieder in den Mittelpunkt rücken – nicht die Autos. Wohnbebauung müsse soziale Kontakte ermöglichen und Lebendigkeit schaffen. Sein Vortrag titelt deshalb „Die lebendige Stadt“ und versteht sich als europaweites Thema.

Venedig und Göttingen sind für ihn deshalb gar nicht so verschieden. Es gibt einen Stadtkern und die Peripherie, in Venedig auf der Landseite in Mestre. Dort ist die Stadt gewachsen. Der kaum veränerbare Altstadtkern aber verliert Einwohner. Es gibt leere Häuser und Geschäfte.

Mit Leerständen muss auch Göttingens Zentrum leben. Das hat marktwirtschaftliche Gründe wie hohe Mieten, aber auch planerische.

Vorhandenen Wohnraum nutzen, Innenstadtflächen zu Wohnraum machen: Das will der Architekt Pascolo über eine dichtere Bebauung erreichen, mit mehr Häusern und höheren Gebäuden – aber stets in Relation zu umliegenden Gebäuden.

Dennoch: Das birgt Konfliktpotenzial. In Göttingen ist das am Beispiel IWF-Gelände Nonnenstieg zu erleben. Dort sind auf einem für Wohnhäuser geeigneten Grundstück höhere und massigere Häuser geplant, als es viele Bürger wollen. Andererseits braucht Göttingen Wohnungen, viele Wohnungen.

Die Stadtplaner aber hätten in dem Fall Fehler gemacht, sagt Rolf-Georg Köhler. Der SPD-Oberbürgermeister-Kandidat plädiert deshalb für mehr Offenheit und generelle Ehrlichkeit bei der Projektbegleitung. „Bürger müssen von Beginn an einbezogen werden. Bei Fragen wie: Was ist geplant, wie hoch und dicht soll gebaut werden?“ Dann könne man Investoren auch klare Vorgaben machen. Am Nonnenstieg und in der Sternstraße habe man zu spät Erklärungen gegeben.

Mehr Einbeziehung bewirke auch eher eine Identifikation mit Projekten, mit dem Stadteil. Christoph Lehmann sagt es anders: „Mitwirkung verlangt Wirkung“ – allerdings nicht in Form von Eigengestaltung, dafür sei die Politik verantwortlich und das sei gut so.

Von Thomas Kopietz

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