Offene Lehrstellen in der Gastronomie und im Friseur-Handwerk

Kurz vor Start ins Ausbildungsjahr: Tausende Lehrstellen in Niedersachsen unbesetzt

Göttingen. Der Fachkräftemangel in Niedersachsen nimmt zu und droht, das Wirtschaftswachstum auszubremsen. Das gilt auch für den Ausbildungsmarkt, wo viele Betriebe Lehrstellen nur schwer besetzen können.

Viele Ausbildungsberufe sind unbekannt, andere gelten dagegen als wenig attraktiv – dazu Fragen und Antworten.

Welche Branchen und Berufe sind besonders betroffen?

In Niedersachsen blieben im Vorjahr laut Arbeitsagentur 3068 Ausbildungsplätze unbesetzt. Diesmal könnte es ähnlich werden. Laut den Juni-Zahlen, neuere Angaben gibt es erst Ende Juli, gab es etwa bei der Gastronomie von 1504 gemeldeten Stellen noch 891 offene Plätze. Im Lebensmittelverkauf blieben 921 von 1339 gemeldeten Stellen unbesetzt. Das gilt für das Friseur-Handwerk (506 von 881 Stellen unbesetzt), die Koch-(662/1187) oder die Fernfahrer-Ausbildung (485/775), die Hotellerie (525/956) oder den Hochbau (711/1076).

Wie verändert die Digitalisierung die Ausbildungsberufe?

Vom industriellen 3D-Druck bis zum vernetzten Produktionsprozess: Fast alle beruflichen Bereiche werden erfasst vom digitalen Wandel. Entsprechend werden Ausbildungsprofile in den industriellen Metall- und Elektroberufen, aber auch den kaufmännischen oder chemischen Arbeitsbereichen zum 1. August durch Themen wie Datenschutz, Informationssicherheit oder vernetzte Produktion angepasst.

Gibt es auch völlig neue Berufe?

Ja. Die Zukunft des Handels ist digital – deshalb beginnt am 1. August die neue Ausbildung für den auf digitale Geschäftsmodelle ausgerichteten Kaufmann im E-Commerce. Er zielt vor allem auf das rasante Wachstum des Online-Handels und soll Experten für diesen Bereich ausbilden. Sie sollen etwa kundenorientierte Vertriebs- und Marketing-Strategien entwickeln.

Wie können Schulabgänger von der starken Nachfrage profitieren?

In den vergangenen Jahren haben sich viele Schulabgänger für ein Studium statt für eine betriebliche Ausbildung entschieden. Dabei ist auch die Fachkraftausbildung weiterhin ziemlich attraktiv und bietet gute Verdienstmöglichkeiten. Zudem gibt es zunehmend Angebote für duale Ausbildungsgänge – Studium inklusive.

Was können Arbeitgeber tun?

Patentrezepte, um für Auszubildende attraktiv zu sein, gibt es auch in Niedersachsen nicht. Das Einstiegsgehalt ist nicht immer ausschlaggebend. Im Werben um qualifizierte Jugendliche für die Ausbildung setzen Unternehmen auch verstärkt darauf, ihre Qualität als Ausbildungsbetrieb deutlich zu machen. Die Industrie- und Handelskammer Hannover etwa vergibt Ausbildungssiegel, die eine besonders hohe Ausbildungsqualität von Unternehmen dokumentieren. (mit dpa) 

Von Ralf. E. Krüger

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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