Göttingen ist bundesweit einzigartig und baut eine vier Kilometer lange Radtrasse

Startschuss für E-Radschnellweg

Testräder
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Startfoto: Am Mittwoch gingen die ersten Testräder an Mitarbeiter von Firmen und Verwaltungen. Politiker, Bürgermeister und Vertreter des Projektes E-Radschnellweg waren dabei.

Göttingen. Weniger Abgase, weniger Verkehr, schnelleres Vorankommen und mehr Sicherheit für Radfahrer – all diese Vorteile soll ein bundesweites Pilotprojekt in Göttingen bringen: Der Bau eines E-Radschnellweges.

Für 1,8 Millionen Euro entsteht noch in diesem Jahr zunächst eine vier Kilometer lange Strecke vom Uni-Nord-Campus bis zum Bahnhof. Radfahrer sollen hier zweispurig auf einer vier Meter breiten Trasse unterwegs sein können, die Ampelanlagen schalten je nach Radleraufkommen. Autofahrer müssen halten.

„Radfahrer müssen innerorts schnell vorankommen, dann ist das Rad eine Alternative zum Auto“, sagte der Göttinger Professor für Informationsmanagement, Lutz Kolbe, der das Projekt in seinem Institut wissenschaftlich begleitet. Deshalb soll eine sichere Autobahn für Radfahrer entstehen. Auch für solche, die mit dem Elektrofahrrad unterwegs sind. „Das E-Bike ist ein gutes Mittel um in die Elektromobilität einzusteigen“, sagte Sören Koss aus der Forschergruppe.

Mehr E-Radfahrer, das bedeutet auch weniger Autofahrer in der Stadt. So sieht es Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, bekennender Radler und E-Bike-Testfahrer. „Wir wollen erreichen, dass mehr Göttinger und Pendler umsteigen auf das Rad. „Es ist ein Umsteigen mit dem Kopf und mit den Beinen.“

Die Stadt beteiligt sich an den Kosten von 1,8 Millionen Euro mit 600.000 Euro, 120.000 Euro kommen vom Landkreis, der Bund zahlt gut eine Million Euro. Beteiligt an dem Projekt ist auch Eon-Mitte.

Für Meyer ist es übrigens kein Zufall, dass ausgerechnet Göttingen in der Metropolregion und in Deutschland den Zuschlag für das Schaufensterprojekt „eRadschnellweg“ bekommen hat: „Wer in Göttingen am Bahnhof ankommt, der sieht sofort welchen Stellenwert das Fahrrad hier hat.“

Zudem bietet Göttingen laut Sören Koss ideale Voraussetzungen für das Schnellradwegkonzept: 75 Prozent aller Radfahrten sind keine fünf Kilometer lang, weitere 19 Prozent unter zehn Kilometer. „Da ist man schnell am Ziel.“

Innerstädtisch nutzten bei der letzten Haushaltsbefragung 2009 etwa 27 Prozent das Rad als Verkehrsmittel. „Wir dürften bei über 30 Prozent liegen“, schätzen Meyer und Koss.

Umso wichtiger sei ein optimiertes Radwegenetz. Und das soll auch ein Produkt aus dem Vorzeigeobjekt „eRadschnellweg“ sein. Denn in der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg soll ein wirkliches Netz qualitativ guter Radwege entstehen. Der Göttinger Radler-Highway könnte ein wichtiger Startpunkt sein. Nächste Orte, die angeschlossen würden, wären Rosdorf und Bovenden.

„Damit auch von dort die Pendler vom Auto aufs Rad oder E-Bike umsteigen“, hofft Oberbürgermeister Wolfgang Meyer.

Von Thomas Kopietz

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