Anmeldungen: Gesamschulen top, Gymnasien stark, Hauptschulen kaum gefragt

Gesamtschulen sind der Hit

Trend: Hauptschulen sind kaum noch gefragt. Die neuen Oberschulen in Niedersachsen verzeichnen – zumindest im Raum Göttingen – ordentliche Zahlen für die Anmeldungen der neuen Fünftklässler im Schuljahr 2013/14. Foto: dpa

Göttingen. Der Trend bei den Anmeldungen für weiterführende Schulen in Göttingen hält an: Die Gesamtschulen sind stark gefragt und müssen Schüler abweisen, die neuen Oberschulen etablieren sich und Hauptschulen sind dagegen kaum noch gefragt.

Die Gymnasien verzeichnen stabile Anmeldezahlen. In einer Gesprächsrunde mit unserer Zeitung verwiesen die Schulleiter der Gymnasien auf die für sie – im Landesvergleich – positiven Ergebnisse der Studie zur Schulentwicklungsplanung und die weiter guten Anmeldezahlen.

Die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamschule (IGS) ist aber wieder ganz oben auf der Hitliste der Eltern: 309 Fünftklässler wurden dort im neuen Schuljahr angemeldet – 140 Kinder erhalten keinen Platz und werden – je nach Empfehlung – auf andere Schulen und Schularten verteilt. Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS), die zur IGS umgewandelt wird, hat 220 Anmeldungen, 51 Kinder können hier nicht angenommen werden. 529 Anmeldungen also sind das für die Gesamtschulen, 551 waren es 2012 (minus vier Prozent).

Aber auch die Göttinger Gymnasien werden als Ausbildungsorte weiter geschätzt, kommen zusammen auf 592 Anmeldungen (Vorjahr: 638, minus 7,2 Prozent).

Zwischen den Gymnasien haben sich die Anteile im Vergleich zum Vorjahr leicht verschoben. Im Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) wurden die meisten Schüler angemeldet, hier startet man mit 153 Schülern (159 Anmeldungen waren es 2012). Vorjahresprimus Hainberg-Gymnasium rutschte zwar von 170 auf 130 Anmeldungen, kann weiterhin fünfzügig, also mit fünf fünften Klassen planen – und einer angenehmen Klassenstärke.

Im Max-Planck-Gymnasium starten 83 Schüler – hier muss Schulleiter Dr. Wolfgang Schimpf wohl umplanen, 95 Schüler wären für die vorhandene Vierzügigkeit nötig gewesen.

Das Felix-Klein-Gymnasium meldet am letzten Schultag exakt 134 Fünftklässler für den neuen Jahrgang Fünf. „Damit haben wir eine gute Klassenstärke, wir sind zufrieden“, geht Schulleiter Dr. Klaus Juraschek entspannt in die unterrichtsfreie Zeit.

Zufrieden ist auch Dr. Ulrike Koller vom Theodor-Heuss-Gymnasium: Hier werden 101 Fünftklässler erwartet, 2012 waren es 84. Am THG wird es vier fünfte Klassen geben.

Grundsätzlich sieht Koller in den Zahlen keine Verschiebung von Gymnasien hin zu Gesamtschulen, die weiter beliebt seien. Insgesamt aber seien die Grundschülerzahlen im Göttinger Stadtgebiet um 40 gesunken, – die Plus-Minus-Bilanz der Gymnasien bewege sich genau in diesem Rahmen.

Politiker haben die Zahlen noch nicht kommentiert, im Vorjahr waren nach dem Bekanntwerden auch offene Diskussionen über die Zukunft der Gymnasiallandschaft in Göttingen gefordert worden.

Von Thomas Kopietz

"Wir müssen uns nicht verstecken"Gute Noten für Gymnasien: Schulleiter betonen Qualitätsanspruch und soziales HandelnDie Gymnasien in Göttingen werden weiter stark nachgefragt. Die zeigen die aktuellen Zahlen der Fünftklässler-Anmeldungen, das bestätigt aber auch die unabhängige Studie zur Schulentwicklungsplanung – auch auf Basis der Elternbefragungen. Sie weist den Göttinger Gymnasien eine überdurchschnittliche Qualität und Beliebtheit aus.Die Übergangsquote auf die Gymnasien liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt. Auch die Durchschnittsnoten aller Göttinger Abiturienten an Gymnasien lagen 2012 mit 2,3 um drei Zehntel niedriger als im Landesschnitt. „Das zeigt, die Göttinger Gymnasien sind ein Erfolgsmodell“, bilanzierte Dr. Ulrike Koller, Schulleiterin am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) in einem Gespräch der Schulleiter mit der HNA. „Wir müssen uns vor den Gesamtschulen nicht verstecken.“„Die Göttinger Gymnasien stehen für eine qualitativ starke und gleichzeitig breite Ausbildung“, sagt auch Dr. Wolfgang Schimpf vom Max-Planck-Gymnasium selbstbewusst. Und das, obwohl sie bei der personellen wie infrastrukturellen Ausstattung mit den Gesamtschulen nicht mithalten könnten.Beispiel: Schulsozialarbeit. Am THG gibt es einen Schulsozialarbeiter, der querfinanziert wird und dessen Zukunft über das nächste Schuljahr hinaus unsicher ist. Gesamtschulen aber verfügen über mehrere Sozialarbeiterstellen. Dabei sind die Bedingungen laut Ulrike Koller gar nicht so unterschiedlich: An ihrer Schule und den anderen Gymnasien seien nicht weniger Nationalitäten vertreten als an den Gesamtschulen. Angesichts solcher Heterogenität sei die Bezeichnung als Eliteschulen ohne Kinder aus sozialen Brennpunkten schlicht falsch, wie auch der Leiter des Felix-Klein-Gymnasiums (FKG) Dr. Klaus Juraschek andeutet.Die Studie zur Schulentwicklungsplanung stärkt den Chefs der Gymnasien noch mehr Grund den Rücken: 90 Prozent der eingeschulten Fünftklässler sind in der 9. Klasse noch auf der Schule. „Das sind Top-Werte für Niedersachsen“, sagt Koller und Schimpf ergänzt: „Das ist ein echtes Qualitätskriterium.“ Dahinter stecke aber auch viel interne Arbeit: Die Gymnasien gingen stärker auch auf die Schüler ein, die Probleme hätten, sagt Rita Engels vom Otto-Hahn-Gymnasium. Unterstützende Angebote sind weiter im Kommen. Das MPG richtet nun Hausaufgabenklassen ein.Klassenlehrer betreuen die Kinder auch nachmittags bei den Hausaufgaben. „Eltern wollen ihre Kindern immer mehr betreut sehen, wie in Ganztagsschulen“, sagt Schimpf. All das seien Beispiele für die „neuen Wege im Lernalltag“, resümiert Edith Seiler vom Hainberg-Gymnasium. „Es geht um das Lernen miteinander.“ Für Wolfgang Schimpf liefern die Göttinger Gymnasien gegenwärtig ein per Gutachten und von Eltern bestätigtes positives Beispiel: hohe Qualitätsansprüche und unterstützende Angebote passten zusammen. „Die früher oft kritisierte Auslese findet nicht statt.“ (tko)

"Wir müssen uns nicht verstecken"

Die Struktur der Schulen im Landkreis Göttingen ist vielschichtig34,6 Prozent der Schüler gehen in Gymnasien, 16,8 Prozent in Integrierte Gesamtschule, 7,6 Prozent in Kooperative Gesamtschulen, 18,1 Prozent in Oberschulen, 15,1 Prozent in Realschulen, 6,1 Prozent in Hauptschulen und 1,6 Prozent der Schüler besuchen Waldorf- oder Montessori-Schulen. Im Vergleich der Schuljahre 2005/06 und 2011/12 entwickelten sich die Schülerzahlen wie folgt: Hauptschule minus 48 Prozent; Realschulen minus 23,5 Prozent, Gymnasien minus 10.2 Prozent; Im Plus sind: Kooperative Gesamtschulen (34,5 Prozent), Integrierte Gesamtschulen (37,5 Prozent).Die meisten Schüler besuchten 11/12 die Gymnasien (7734), es folgten Integrierte Gesamtschulen (3766), Realschulen (3382) und Kooperative Gesamtschulen (1703), Hauptschulen (1370), Waldorf-Montessori-Schulen (358) und Oberschulen (79). Bei der Elternbefragung sprachen sich übrigens nur 28,1 Prozent der Eltern gegen eine zweite Integrierte Gesamtschule in Göttingen aus. In der Elternbefragung kam übrigens die neue Oberschule schlecht weg – 51 Prozent der Befragten sind gegen diese neue Form. Demgegenüber die Anmeldungen für 2012/13: Dransfeld (ohne Gymnasialzweig) hat zum Start 40 neue Schüler, Groß Schneen (mit Gymnasialzweig) kommt auf 110 Anmeldungen. (tko)

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