Stiftung zeichnet Irmela Mensah-Schramm aus: Friedenspreis für „Politputze“

Auszeichnung: Fast 100 000 Aufkleber und Schmierereien hat Irmela Mensah-Schramm entfernt. Dafür wird sie mit dem Göttinger Friedenspreis 2015 geehrt. Foto: dpa

Göttingen. Der Göttinger Friedenspreis 2015 geht an Irmela Mensah-Schramm. Mit dem Preis wird die 69-Jährige für ihren jahrzehntelangen Einsatz gegen rechtsextreme Hass-Schmierereien und Nazisymbole geehrt, teilte ein Sprecher der Stiftung Dr. Roland Röhl mit.

„Politputze“: So nennt sich Irmela Mensah-Schramm gerne selbst. Denn die Berlinerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Straßen von rechten Hass-Parolen zu säubern. Fast 100 000 Aufkleber und Schmierereien hat Mensah-Schramm nach eigenen Angaben in den vergangenen 28 Jahren entfernt – rechtsextreme, schwulenfeindliche, antisemitische oder rassistische Parolen an Hauswänden, Stromkästen, U-Bahn-Sitzen. Seit Mitte der neunziger Jahre zeigt sie in ihrer Wanderausstellung „Hass vernichtet“ eine Auswahl an Parolen, die sie vor dem Wegputzen fotografiert hat. Dazu bietet sie antirassistische Workshops für Schüler an.

Auslöser für ihr Engagement sei die Erkenntnis gewesen, dass diese Hasssprüche durch „sich darüber zu ärgern“ nicht verschwinden, sagt die 1945 in Stuttgart geborene Aktivistin für Menschenrechte und ehemalige Erzieherin und Heilpädagogin an einer Berliner Schule für geistig Behinderte. „Mir wurde klar, durch Nichtstun kann auch nichts erreicht werden“, sagt sie.

Der Göttinger Friedenspreis wird am Samstag, 7. März, ab 11 Uhr in der Aula der Georg-August-Universität verliehen. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert. Stifter war der Göttinger Wissenschaftsjournalist Dr. Roland Röhl. Röhl war am 24. Dezember 1997 an Krebs gestorben. Er hatte in seinem Testament verfügt, dass sein Nachlass für die Bildung des Stiftungsvermögens verwendet wird. Der promovierte Chemiker befasste sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung. (bsc)

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