Bilanz der Auswilderung

Straßen stoppen Wanderungen der Luchse aus dem Harz

Population wächst: Im Nationalpark Harz wurden vor 20 Jahren Luchse ausgewildert. Hier eine Helferin mit einem jungen Luchs.
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Population wächst: Im Nationalpark Harz wurden vor 20 Jahren Luchse ausgewildert. Hier eine Helferin mit einem jungen Luchs.

Die vor gut 20 Jahren im Harz ausgewilderten Luchse haben sich gut entwickelt, die Population ist gewachsen. Diese positive Bilanz aber verknüpfen die Luchs-Experten mit einer Forderung: eine weitere Verbreitung der Luchse bedürfe größerer Anstrengungen.

St. Andreasberg – Wie der Nationalpark Harz mitteilte beschränke sich das Vorkommen nicht mehr nur auf das Mittelgebirge. Einige wenige Weibchen hätten sich etwa im Solling, im Hils und im Westerhöfer Wald im Kreis Northeim angesiedelt und dort Junge zur Welt gebracht. Im Harz selbst leben Schätzungen zufolge etwa 90 Luchse in freier Wildbahn.

Die weitere Ausbreitung der Luchse verlaufe jedoch nur langsam, schränkt der Luchsexperte des Nationalparks, Ole Anders, ein. Insbesondere die weiblichen Luchse schreckten oft davor zurück, den schützenden Mittelgebirgswald zu verlassen und wagten keine Wanderungen über weite offene Agrarflächen, um in das nächste größere Waldgebiet zu gelangen.

Diese für Luchse typischen Wanderungen seien aber unbedingt nötig, um einen genetischen Austausch zwischen den Luchsvorkommen in Deutschland und Mitteleuropa zu erreichen. Einige Populationen litten bereits unter Inzuchterscheinungen. „Die Harzpopulation verfügt derzeit noch über eine vergleichsweise große genetische Variabilität“, sagt Anders. Naturgemäß nehme diese aber mit jeder Luchsgeneration ab. Für die folgenden Jahre müsse man schauen, wie die Luchspopulationen miteinander vernetzt werden können – „und wie wir insbesondere die Ausbreitung der weiblichen Tiere fördern können“, so Ole Anders.

Luchsexperte im Harz: Ole Anders.

Ein Hindernis für die Luchse und deren Ausbreitung sei der Straßenverkehr. 36 Prozent aller in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt tot aufgefundenen Luchse seien überfahren worden, berichtet Anders. Untersuchungen mit sendermarkierten Luchsen zeigten zudem, dass viele Tiere bei ihren Wanderungen vor dem Überqueren von Schnellstraßen abdrehten. Auch die etwas mutigeren Luchse brauchten mitunter sehr lange, um solche Straßen zu überwinden. Gelegentlich nutzten sie dafür Gewässerdurchlässe oder Unterführungen. Gezielt errichtete Querungshilfen wie Grünbrücken könnten helfen, Unfallschwerpunkte zu entschärfen, die Wanderung der Tiere zu vereinfachen und zu fördern.

Manchmal entstünden durch gut gemeinte Baumaßnahmen regelrechte Todesfallen, sagt Anders: „Jüngst mussten wir einen toten Luchs einsammeln, der an einer Stelle überfahren wurde, wo ein Wildzaun von einem Radweg unterbrochen wurde.“ Wahrscheinlich sei der junge Luchs durch diese Lücke auf die Straße gelangt, die er aufgrund des stabilen Zauns aber nicht mehr verlassen konnte. Deshalb seien künftig kluge Planungen notwendig. (Thomas Kopietz, mit epd)

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