Jugendarbeit in Niedersachsen

Straßensozialarbeiter: Ein offenes Ohr für junge Leute

Der Göttinger Philipp Rösener ist Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Streetwork. Foto: Swen Pförtner/dpa

Duderstadt - Die Interessenvertretung der Streetworker setzt sich für eine flächendenckende Straßensozialarbeit ein - auch in Südniedersachsen.

Wenn Jugendliche auf der Straße rumhängen, weil sie Probleme haben, können Streetworker helfen. Doch nicht überall gibt es Straßensozialarbeiter. Aus Sicht der Interessenvertretung der Streetworker gibt es landesweit zu wenig Stellen.

Sie sind vor allem abends und nachts unterwegs. Sie suchen Jugendliche an deren Treffpunkten auf, suchen Kontakt. Sie versuchen zu helfen, egal ob es um Drogenprobleme geht, Stress in der Schule oder Zoff in der Familie: Streetworker in der aufsuchenden Jugendarbeit.

Zu wenig Streetworker

Nach einer Schätzung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Streetwork gibt es in ganz Niedersachsen etwa 120 Stellen für Straßensozialarbeit mit Jugendlichen. Der tatsächliche Bedarf sei um ein Vielfaches höher, sagt LAG-Sprecher Philipp Rösener. „Jede Kommune ab 10 000 Einwohner sollte mindestens zwei Streetworker haben.“ Vielerorts gebe es aber überhaupt keine hauptamtlichen Kräfte, die sich um Jugendliche auf der Straße kümmerten, so Rösener nach einem bundesweiten Streetworker-Treffen in Duderstadt. Themen dort waren das Armutsrisiko junger Menschen, Gewaltprävention in Gruppen und der Umgang mit Rechtsextremismus.

Begrenzter Spielraum

„Streetworker leisten eine wichtige Arbeit und können in vielen Fällen Kindern und Jugendlichen helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben“, sagt der Sprecher des Städte- und Gemeindebundes (NSTG), Thorsten Bullerdiek Allerdings seien die kommunalen Mittel begrenzt. Deshalb müsse das Land Niedersachsen den Kommunen mehr Geld für die Wahrnehmung solch freiwilliger Aufgaben zu Verfügung stellen.

Die aufsuchende Jugendarbeit mit Streetworkern gehöre zu den Selbstverwaltungsangelegenheiten der Kommunen, sagte die Sprecherin des Sozialministeriums, Stefanie Geisler. „Das Land hat hierauf keinen Einfluss.“ Niedersachsen fördere allerdings mit jährlich 11,7 Millionen Euro sogenannte Pro-Aktiv-Center. Auch diese Einrichtungen leisteten aufsuchende Jugendsozialarbeit.

Wachsender Bedarf

LAG-Sprecher Rösener sieht Streetwork mit Jugendlichen als ein Nischenangebot. Besserung sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Wenn der Rotstift angesetzt werden muss – egal ob bei freien oder kommunalen Trägern – werden gerne Stellen für Streetworker gestrichen“, sagte Rösener.

Dabei gibt es nach Einschätzung der LAG einen wachsenden Bedarf für aufsuchende Jugendarbeit: Die Zahl der Jugendlichen, die ihre Freizeit auf Straßen und Plätzen verbrächten, wachse ständig. Viele hätten einen großen Bedarf an Beratung, sagte Rösener. Dabei gehe es um Drogenprobleme oder Schule schwänzen, aber auch um Gewalt, Liebeskummer oder Probleme in der Clique.

„Wir sind dann vielfach das erste offene Ohr für diese Jugendlichen“, sagte Rösener. „Bei uns können sie sich frei und entspannt äußern. Denn wir wollen nichts von ihnen.“

Nutzen für Gesellschaft

Bei Eltern oder Lehrkräften sei dies anders. „Wir bieten ihnen unser Ohr, Rat und Unterstützung an. Das haben viele Jugendliche sonst nicht.“ Die sozialen Medien seien kein gleichwertiger Ersatz für Gespräche mit zugewandten Erwachsenen. Stattdessen brächten sie vielfach zusätzliche Probleme mit sich, wie etwa Mobbing.

Vom gesellschaftlichen Nutzen der Straßensozialarbeit ist Rösener überzeugt: „Wir sind an vorderster Front, was Jugendprobleme angeht. Und wir wissen am ehesten, welche Probleme Jugendliche haben.“ Mit ihrer Arbeit wollen sie aus den Jugendlichen stabile Mitglieder der Gesellschaft machen. (dpa)

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