Tag 1 der GdL-Aktion

Streiktag am Bahnhof Göttingen: Die Frau mit der Mütze hilft

Auskunft mit dem Dienst-Smartphone: Lukas Vollmer (links) bekam am Bahnhof Göttingen von Susanne Meichsner und Bahnhofsmanager Detlef Krusche die Abfahrtszeit für einen ICE, der trotz des Streiks in Richtung Hildesheim fuhr. Foto: Schlegel

Göttingen. Deutlich weniger Fahrgäste als sonst sind wegen des Streiks am Donnerstag im Bahnhof Göttingen unterwegs. Dort steht aber in den nächsten Tagen deutlich mehr Personal zur Verfügung, um die vielen Fragen der Reisenden zu beantworten.

Lukas Vollmer, der in Nürnberg studiert, will nach Hildesheim. Am Bahnhof Göttingen muss er nach einer Anschlussverbindung fragen. Bei Bahn-Mitarbeiterin Susanne Meichsner gibt es Rat. Per Dienst-Smartphone findet die Frau mit der roten Mütze schnell heraus, dass der ICE kurz nach 11 Uhr trotz des Streiks fährt. „Ich bin heute ganz früh aufgestanden und habe den ersten Zug genommen, der fuhr“, sagt Vollmer. Auf dem Weg nach Norden war es zuvor ganz leer im Zug. Er hatte sogar ein ganzes Abteil mit sechs Plätzen für sich.

Zum Treffpunkt für Reisende wird in diesen Streiktagen der Info-Schalter in der Bahnhofshalle der Göttinger Station. Bahnhofsmanager Detlef Krusche hat eigens das Personal aufgestockt. Normalerweise sind acht Mitarbeiter im Einsatz. „Derzeit sind es zwölf“, sagt der 62-jährige Chef der Bahnhöfe in Südniedersachsen. Genervt ist kaum einer der Fahrgäste. Es gibt ja schnell Hilfe.

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Bewährt hat sich aus Sicht von Krusche auf alle Fälle der Ersatzfahrplan der Bahn. Nach seinen Beobachtungen sind am Donnerstag zwischen 40 und 50 Prozent der Fernzüge unterwegs. Im Nahverkehr der Bahn fährt etwa ein Drittel der Züge. Aber gerade auf den Regionalstrecken ist das Problem nicht so groß. Hintergrund: In Südniedersachsen fahren Metronom, Cantus und Nord-West-Bahn. Und diese Privatbahnen werden nicht bestreikt. Dadurch können viele Reisende trotzdem ihr Ziel erreichen, brauchen dafür aber oft deutlich länger. Wenn Reisende trotzdem stranden sollten, so liegen für Notfälle Taxi- und Übernachtungsgutscheine bereit. 1000 sind ständig vorrätig.

Am ersten Streiktag deutlich weniger los als normal. Viele Reisende haben sich offenbar auf den Streik eingestellt und umdisponiert. Der Bahnhof Göttingen wird sonst täglich von fast 30 000 Reisenden genutzt, davon 12 000 im Fernverkehr - Tendenz steigend, wie aktuellen Zahlen zeigen. Hinzu kommen etwa 20 000 weitere Besucher, von denen viele die Geschäfte und gastronomischen Angebote im Bahnhof nutzen oder einfach jemanden vom Zug abholen. „Durch den Streik haben unsere Mieter Umsatzeinbußen“, beklagt Manager Krusche. Er sieht noch eine weitere Gefahr durch den Streik: Langfristig könnten mehr Fahrgäste auf den Fernbus umsteigen.

Susanne Meichsner muss schon wieder die nächste Frage beantworten: „Wie komme ich nach Erfurt?“ Wieder weiß das Smartphone Rat. Es geht mit dem Cantus nach Eichenberg und von dort mit der Erfurter Bahn weiter nach Thüringen. So wird der Strom der Ratsuchenden nicht abreißen - bis einschließlich Sonntag.

Ersatzfahrplan: Zugausfälle und Schienenersatzverkehr

Noch bis kommenden Montag, 4 Uhr, dauert der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) an. Bis dahin müssen Fahrgäste der Deutschen Bahn AG mit Behinderungen rechnen.

Auch am Freitag wird es vor allem wieder die Pendler treffen. So fallen erneut die beiden frühen InterCity-Züge aus, die von Göttingen über Northeim und Kreiensen nach Hannover fahren. Außerdem wurden die beide ICE gestrichen, die gegen 7 Uhr von Göttingen nach Hannover beziehungsweise über Hildesheim und Braunschweig nach Berlin fahren.

So sieht es im Regionalverkehr der Bahn aus: Zwischen Northeim und Nordhausen fahren nur vereinzelt Züge. Das gilt auch für die Strecke zwischen Kreiensen und Goslar. Zwischen Göttingen und Northeim beziehungsweise Kreiensen können die Fahrgäste den Metronom nutzen, rät die Bahn. Für die Strecke zwischen Northeim und Bodenfelde wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Die Bahn rät allen Reisenden, sich vor Fahrtantritt unbedingt zu informieren - zum Beispiel über das Internet. Außerdem wurde eine kostenlose Hotline unter der Rufnummer 08000/99 66 33 geschaltet. (bsc)

Infos zum Notfahrplan: www.bahn.de/aktuell

Infos zu einzelnen Bahnhöfen gibt es unter  http://reiseauskunft.bahn.de/bin/bhftafel.exe

Von Bernd Schlegel

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