Streit um Arbeitszeit: Einige Gymnasial-Lehrer zu Klassenfahrten bereit

Göttingen/Hannover. An mehreren Gymnasien in Niedersachsen wächst bei den Lehrkräften offenbar der Wunsch, endlich wieder mit ihren Schülern auf Klassenfahrten zu gehen.

Vor allem jüngere Kollegen sollen sich über die harte Haltung ihrer Personalräte und Verbände beschwert haben.

Offiziell mag es noch zwar niemand bestätigen, doch hinter den Kulissen denkt daher inzwischen so manch Lehrervertreter über ein Ende des Reise-Stopps nach.

Mit diesem Boykott protestieren die Lehrer an vielen Gymnasien des Landes seit Monaten gegen die von der rot-grünen Landesregierung ab dem laufenden Schuljahr verordnete Erhöhung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung um eine auf 24,5 Stunden sowie die Streichung des Stundenrabatts für ältere Kollegen.

Alle Appelle von enttäuschten Schülern und genervten Eltern fruchteten nichts; auch ein Entgegenkommen von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) bei den Reisekosten konnte die Lehrkräfte bislang nicht zum Einlenken bewegen.

„Die Maßnahmen der Landesregierung stören den Schulfrieden“, kritisiert Elke Moeken, Personalrätin am Hainberg-Gymnasium in Göttingen und Mitglied der Lehrergewerkschaft GEW. Deswegen werde auch der Klassenfahrten-Boykott aufrecht erhalten.

Arbeitsbelastung für die Schulleiter steigt ständig, mehr Stunden gibt es nicht: Dr. Wolfgang Schimpf, Vorsitzender Direktorenvereinigung.

Noch vor der Verhandlung über die neuen Arbeitszeitregeln am Oberverwaltungsgericht Lüneburg am 9. Juni versucht die GEW mit einem neuen Friedensangebot an Rot-Grün, den Konflikt zu entschärfen. Danach könnte es zwar bei der verlängerten Unterrichtsverpflichtung bleiben, aber die Lehrer würden mit einem deutlichen Plus bei Entlastungs- und Anrechnungsstunden entschädigt, schlägt GEW-Landeschef Eberhard Brandt vor.

Gleichzeitig müsse das Kultusministerium bei der Altersermäßigung „ein Signal aussenden“, etwa durch einen abgestuften Wiedereinstieg in eine zweite Rabattstunde für Kollegen ab 60 Jahre. Dies sei ohne Gesichtsverlust für Rot-Grün möglich.

Sein Kollege vom Philologenverband sieht dies jedoch mehr als skeptisch. „Anrechnungsstunden versickern nur in einem Topf“, warnt der Vorsitzende Horst Audritz im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie kämen nur einzelnen Kollegen zugute. Eine echte Entlastung könne nur die Rücknahme der Mehrarbeitsstunde bringen. „Die schlägt bei uns voll ins Kontor.“ Hinter dieser harten Haltung steckt allerdings Taktik: Der Verband will vor dem Lüneburger Prozess seine Position nicht schwächen.

Eine Klage wird – wie angekündigt – auch die Direktorenvereinigung Niedersachsen auf den Weg bringen. Wie der Vorsitzende Dr. Wolfgang Schimpf, Schulleiter am Max-Planck-Gymnasium in Göttingen, sagt, steht die Klageeinreichung bevor. Das Schriftstück wird noch in der Göttinger Kanzlei VSM-Rechtsanwälte vorbereitet. Zu Details wollte sich Schimpf deshalb noch nicht äußern. Es gehe allgemein um die seit Jahren zunehmende strukturelle Überbelastung von Schulleitern in allen Schulzweigen.

Wolfgang Schimpf sieht gute Erfolgschancen für die Klagen, auch, weil es eine konzertierte Aktion ist: „Es ist auf jeden Fall einzigartig, dass drei Institutionen in der Sache gegen das Kultusministerium klaren.“ (ymp/tko/bdi)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.