Mehr Vorfälle in Haftanstalten des Landes

Mehr Suizide im Knast: Niedersachsens Justiz ermittel auch gegen Bedienstete

Vorfall im Rosdorfer Gefängnis: Dort wollte sich im Dezember 2017 ein Häftling das Leben nehmen. Foto: Stefan Rampfel/dpa

Hannover. Die Justiz untersucht laut Ministerium mehrere Suizidversuche in Haftanstalten. Die Zahl der Suizidversuche hat zugenommen. Auch in Rosdorf gab es einen Fall.

In einem Fall aus 2017 ermittele die Staatsanwaltschaft gegen drei Gefängnis-Bedienstete wegen fahrlässiger Tötung.

Seit Jahresbeginn sind vier Insassen in vier Gefängnissen durch Suizid ums Leben gekommen, sagte Sprecher Christian Lauenstein. 2017 hatte es sieben Suizide in Haftanstalten des Landes gegeben.

2018 handele es sich um zwei Deutsche, einen Iraker und einen Sudanesen. Ein weiterer Gefangener liege nach einem Suizidversuch mit Hirnverletzungen im Koma.

Gegen drei Bedienstete der Justizvollzugsanstalt Oldenburg werde im Zusammenhang mit einem Suizid wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, sagte Lauenstein. Dort hatte sich Ende Dezember 2017 ein Gefangener in einer kameraüberwachten Zelle erhängt. Die Bediensteten hätten dies 40 Minuten später bemerkt.

In einem weiteren Fall vom April 2018 sei ein irakischer Flüchtling, bei dem eine Suizidgefährdung verneint worden sei, erst gefunden worden, als die Leichenstarre schon eingesetzt habe.

In den Jahren davor hatte es in niedersächsischen Haftanstalten fünf (2016) und sechs (2015) Suizide gegeben – zwischen 2009 und 2014 hatte die Zahl von acht auf zwei abgenommen. Im gleichen Zeitraum ging auch die durchschnittliche Zahl der Inhaftierten von knapp 6000 auf rund 4700 zurück. Seitdem ist die Zahl der Häftlinge leicht auf 4800 angestiegen.

Einen Fall gab es auch in der Justizstrafanstalt Rosdorf bei Göttingen. Ein dort untergebrachter Untersuchungshäftling hat infolge eines Suizidversuches dauerhafte Hirnschäden erlitten. Der Häftling habe nach dem Suizidversuch im Dezember 2017 einige Zeit im Koma gelegen, sagte Anstaltsleiterin Regina Weichert-Pleuger. Inzwischen befinde er sich in einer Pflegeeinrichtung. „Wir sind uns bewusst, dass die Untersuchungshaft für die betroffenen Gefangenen eine besonders krisenhafte Zeit ist“, sagte Weichert-Pleuger. Deshalb seien bereits seit vor Jahren in dem Gebäudetrakt, in dem die Untersuchungshäftlinge untergebracht sind, Seelsorge-Telefone installiert worden.

Untersuchungsgefangene könnten nach der Aufnahme in die Justizvollzugsanstalt, wenn sie nachts allein in ihrer Zelle eingeschlossen sind, von ihrem Haftraum aus einen Seelsorger kontaktieren.

Ministerin Barbara Havliza (CDU) will jetzt generell herausfinden, wo es Verbesserungsmöglichkeiten in der Unterbringung und Betreuung gebe, sagte der Justizministeriumssprecher. Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass eine Haft immer eine Ausnahmesituation für den Betreffenden darstelle und Personen mit psychischen Problemen überproportional repräsentiert seien.

Dass die Zahl der Suizide möglicherweise mit der schlechten Personalsituation in den Vollzugsanstalten zusammenhänge, wollte der Sprecher nicht bestätigen. „Dass wir nicht mit voller Personalstärke arbeiten, ist allgemein bekannt. Ob aber tatsächlich mehr Personal dazu führt, dass weniger Gefangene sich umbringen, ist reine Spekulation.“ (epd/pid/tko)

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