Tanzkulturwoche: Musik, Tanz und Theater

Tanzkulturwoche mit dem Team um Michael Rettig: Bewegende Tanzschau über „Rosa“

Tänzerin Magali Sander Fett (links) mit Schauspielerin Franziska Mencz.
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Zeigten Rosa Luxemburg: Tänzerin Magali Sander Fett (links) mit Schauspielerin Franziska Mencz.

Zu einer bewegenden Schau mit Musik, Tanz und Theater ist Michael Rettig mit seinem Team aus Bremen zur 9. Tanzkulturwoche gekommen. Für eine Tanzschau über Rosa Luxemburg.

Göttingen – Der Regisseur und Pianist nähert sich mit der Tänzerin Magali Sander Fett, Darstellerin Franziska Mencz (Ex-DT) und Riccardo Castagnola (Live-Elektronik) Rosa Luxemburg an, der bedeutende Vertreterin der Arbeiterbewegung und Mensch mit Rückgrat und Empathie.

Herausgekommen ist ein Abend, der ohne den zu gewollten Gegenwartsbezug noch eindrucksvoller gelungen wäre.

Zwei Frauen liegen in gerader Linie – Kopf an Kopf, so dicht, dass kaum zu fassen ist, wo die Haare der einen oder anderen beginnen; die Figuren sind fast zu einer verschmelzen. Fast identisch sind die Bewegungen ihrer Arme, Hände, Finger.

Wird hier erzählt von Rosas langer Krankheit? Mit fünf Jahren wurde ihr nach einer ärztlichen Fehldiagnose fast ein Jahr Bettruhe verordnet. In dieser Zeit brachte sie sich erfolgreich Lesen und Schreiben bei.

Projizierte, leider nur schwer lesbare Textpassagen berichten von Abschnitten aus Rosa Luxemburgs Leben, von ihren politischen Aktivitäten, von ihrer Liebe zu Leo Jogiches. Dazu formen die beiden Frauen Bilder, von vielen entscheidenden Momenten. Franziska Mencz zeigt in Hose und Hemd eine Rosa, wie andere sie sehen, wie sie spricht, wie sie handelt, wie sie liebt und leidet.

Im weißen langen Kleid tritt Magali Sander Fett dieser real wirkenden Figur entgegen, spiegelt sie, tanzt ihre Gedanken und Gefühle.

Die ausdrucksstarke Musik dazu hat Michael Rettig komponiert. Mit Live-Elektronik unterstützt und verstärkt Riccardo Castagnola ihre Stimmung. Projektionen zeigen nicht nur Text, sondern auch Bilder – von Rosa Luxemburg und vielen Menschen, die in ihrem Leben eine Rolle spielten, als Hintergrund zu den Szenen auf der Bühne sieht das Publikum bewegte Bilder vom Krieg.

Die Figur Rosa Luxemburg spricht auch über ihren Tod, über ihre politische Ermordung. Dann lässt Rettig sie einen Bogen in die Gegenwart schlagen und vom Rassismus bis zur Klimakatastrophe vieles kommentieren. Sein Ziel sei keinesfalls eine Publikumsbeschimpfung gewesen.

Doch er wolle „die Arroganz der Akademiker“ zeigen. „Wenn wir davon nicht runterkommen, dann haben wir Trump“, gibt er seiner Sorge Ausdruck. „Ursprünglich gab es diesen Schluss nicht.“ Lange habe die Gruppe darüber gestritten.

So uneins sich die Kunstschaffenden waren, so zeigte sich auch das Publikum. Während eine Frau aus dem Publikum den Schluss gerade jetzt vor der Bundestagswahl als eine Art Wahlempfehlung annehmen konnte, fühlten andere sich überrannt, provoziert, empfanden das davor Gezeigte als entwertet.

„Die Beschäftigung mit Rosa hat mich anders berührt“, beschrieb eine Zuschauerin im ausverkauften DT-2 die gelungene Verbindung von Musik, Tanz und Theater. Vielleicht mag es dem Team noch gelingen, dafür ein verstärkendes Ende zu finden. (Ute Lawrenz)

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