Neue Anlage seit Januar

Tempo-Kontrolle im Dreieck Drammetal: 200 bis 300 Blitze am Tag

Blitzer in der Hundskurve im Dreieck Drammetal: Das Tempo der Fahrzeuge wird mit Laser-Technik überwacht. Norbert Hilke, Leiter der Bußgeldstelle beim Landkreis Göttingen, kennt alle Details der Technik. Foto: Schlegel

Dramfeld. Seit Januar überwacht eine neue Anlage im Dreieck Drammetal das Tempo. Innerhalb von knapp zwei Monaten fuhren 18.561 Fahrzeuge erheblich zu schnell und wurden geblitzt.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Anlage:

Wie wirkt sich die Aufstellung des Blitzers aus? 

Die Durchschnittsgeschwindigkeit in der gefährlichen Hundskurve beim Übergang von der Autobahn 38 zur A7 Richtung Kassel sank innerhalb von zwei Monaten von knapp 40 km/h auf nun etwa 31 km/h. Erlaubt ist Tempo 30. Vor drei Jahren war etwa jedes vierte Fahrzeug schneller als erlaubt. Mit Start der Überwachung war noch jedes fünfte Fahrzeug zu schnell. Aktuell ist nur noch jedes 20. Fahrzeug betroffen, so der Landkreis Göttingen.

Wie sieht es mit Tempo-Ausreißern nach oben aus? 

Ihre Zahl geht zurück. Waren es im Februar noch 17, die mit mehr als 80 km/h dort unterwegs waren, so sank diese Zahl im März auf acht. Der Spitzenreiter war mit Tempo 111 nach Abzug der Toleranz unterwegs. Er muss mit einem Fahrverbot von drei Monaten, zwei Punkten in Flensburg und 600 Euro Bußgeld rechnen.

Wie hoch ist der Anteil der Lastwagen bei den Sündern? 

Ein Drittel, der bis zum 23. März geblitzten 18 561 Fahrzeuge, sind Lastwagen. Etwa 2500 aller Fahrzeugführer davon haben Verwarngeld von mindestens 20 Euro bekommen. Der Rest sind Bußgeldfälle. Bislang wurden 3200 Bußgeldbescheide verschickt, davon 500 mit Fahrverbot. Hintergrund: Bevor Bescheide verschickt werden können, müssen die Fahrer erst angehört werden. Das Verfahren nimmt mehrere Wochen in Anspruch.

Wie entwickelt sich die Zahl der täglichen Tempo-Sünder? 

Norbert Hilke, Leiter der Bußgeldstelle beim Landkreis Göttingen, hat beobachtet, dass die Zahl der täglichen Temposünder kontinuierlich abnimmt. Wurden anfangs noch mehr als 500 Überschreitungen pro Tag festgestellt, so hat sich diese Zahl auf 200 bis 300 am Tag eingependelt.

Wie sieht es bei den Unfällen aus? 

Seit dem Start der Tempo-Überwachung gab es keinen einzigen. Landkreis-Pressesprecher Ulrich Lottmann stellt klar: „Wir zocken mit dieser Anlage im Dreieck Drammetal nicht ab, sondern verhindern aktiv Unfälle.“ Viele hatten befürchtet, dass es durch abbremsende Autofahrer zu Auffahrunfällen kommt. „Es hat nicht einen einzigen oder gar eine Anzeige wegen Gefährdung gegeben.“ Das Dreieck Drammetal war ein Unfallschwerpunkt mit bis zu 57 Vorfällen im Jahr 2014.

Wie werden die Fahrzeuge abgebremst? 

Ein sogenannter Geschwindigkeitstrichter bremst das Tempo der Verkehrsteilnehmer herunter. Zunächst wird auf 100 km/h begrenzt. Nach 300 Metern folgt ein Tempo-80-Schild mit Hinweis auf die Tempo-Kontrolle („Radar“). Nach weiteren 300 Metern wird auf 60 Stunderkilometer verlangsamt und nach einer kurzen Distanz auf 30 km/h. Erst dann folgt die eigentliche Messung.

Tempo-Kontrolle im Dreieck Drammetal

Wie erfolgt die Tempo-Messung? 

Gemessen wird im Gegensatz zur Radar- oder Lichtschrankenmessung nicht an einem Punkt, sondern per Laser in einem Abstand von 20 bis 50 Metern von der Messstelle. Bereits ab einem Abstand von 75 Metern beginnt die Überwachung der Verkehrsteilnehmer. „Der Laser ist für die Augen absolut ungefährlich“, sagt Hilke. Das System sendet dabei ständig Laserstrahlen aus, die von den Fahrzeugen reflektiert werden. Durch die Laufzeit des Lichts wird die Geschwindigkeit genau errechnet.

Wann müssen Sünder mit teuren Fotos rechnen? 

Der „Blitzer“ macht nicht schon bei einem geringen Tempo-Verstoß Fotos, sondern erst bei einer erheblichen Überschreitung. „Wir wollen die Raser erwischen“, sagt Pressesprecher Ulrich Lottmann.

Warum musste auf Tempo 30 reduziert werden? 

Das Höchsttempo musste auf dieses niedrige Niveau reduziert werden, weil ein Schaden in der Betonwand aufgetreten war. Im vergangenen Jahr war die Wand bei einem Unfall mit einem Lastwagen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei einem weiteren großen Unfall hätte ein Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn durchbrechen können.

Könnte sich an dem Tempolimit von 30 km/h etwas ändern? 

Kürzlich wurde die Mauer repariert. Die Göttinger Polizei kann sich deshalb unter Umständen vorstellen, die Höchstgeschwindigkeit in der Hundskurve auf 50 bis maximal 60 km/h anzuheben. Allerdings kann das der Landkreis nicht verfügen. Hilke: „Das ist Aufgabe des Geschäftsbereichs Bad Gandersheim der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.“

Blitzer-Fotos werden täglich abgeholt

Die Fotos, die die Überwachungsanlage des Landkreises im Dreieck Drammetal aufnimmt, werden montags bis freitags täglich von einem Mitarbeiter der Behörde abgeholt.

Verschlüsselung 

Die Bilder sind auf einem speziellen Datenträger verschlüsselt gespeichert. Erst in der Bußgeldstelle in der Uni-Stadt werden die Fotos ausgewertet.

Alarmanlage 

Außerdem sind die Einrichtungen vor Ort per Alarmanlage gesichert. Sollte jemand versuchen, die Anlage aufzubrechen, so schlägt das System automatisch Alarm.

Akku und Solar 

Strom bekommt die Anlage von vier Industrie-Akkus, die von einem Solarfeld mit zwölf Modulen aufgeladen werden. Damit kann die Anlage rund um die Uhr laufen. Außerdem kann die Anlage bei Bedarf auch an anderen Orten eingesetzt werden.

Gute Qualität 

Die Qualität der Fotos bei Tempoüberschreitungen ist so gut, dass zum Teil auch noch mehr Details erkannt werden können. Beispiel: Nicht angeschnallte Insassen, das Handy am Ohr des Fahrers oder illegales Überholen in der Hundskurve können ebenfalls verfolgt werden. Das Bußgeld steigt dann an.

Vorsicht 

Ärgerlich: So mancher Autofahrer gibt nach der Messstelle nochmal ordentlich Gas. Doch diese Verkehrsteilnehmer sollten vorsichtig sein, denn nach dem „Blitzer“ wird die Kurve noch einmal enger.

Ausländische Sünder 

Die Verstöße von Fahrzeugen, die im Ausland zugelassen sind, werden natürlich verfolgt. Insbesondere bei EU-Staaten ist es meistens unproblematisch, an die Halterdaten zu kommen. Außerdem wird der Bußgeldbescheid in aller Regel in der Landessprache mit verschickt. Per Überweisung kann der ausländische Verkehrssünder zahlen. Tut er das nicht, so meldet der Landkreis das Vergehen bei einem Bußgeld ab 70 Euro über ein Bundesamt an das Heimatland des Sünders. „Da bei uns die Bußen geringer als im europäischen Ausland sind, zahlen viele.“

Unfallverhütung 

Die Geschwindigkeitsüberwachung ist nur ein Teil eines Unfallverhütungskonzeptes für die Hundskurve: So wurde die Fahrbahn aufgeraut, um die Griffigkeit zu verbessern. Außerdem wurde die Erkennbarkeit der Situation mit Hilfe von Schildern und Fahrbahnmarkierungen verbessert.

Hundskurve würde man heute anders bauen

Die Hundskurve im Dreieck Drammetal würde man heute vermutlich nicht mehr so bauen, sagt Udo Othmer.

Das Dreieck Drammetal von oben: Die Hundskurve war ein Unfallschwerpunkt. Archivfoto: Rampfel

Er ist Leiter des Geschäftsbereichs Bad Gandersheim der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. „Heute würde man sie großzügiger anlegen.“ Nach seinen Angaben sind die Kurvenradien allerdings in Ordnung: Sie entsprachen beim Bau vor etwa 15 Jahren den damaligen Vorgaben. „Man muss sich nur an die erlaubte Geschwindigkeit halten, dann passiert nichts.“ Damals konnte man laut Othmer nicht großzügiger bauen, weil der Grunderwerb schwierig war.

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