Appell an Landesregierung

Mehr Corona-Lockerungen ermöglichen: Göttingen will Strategien als Modellkommune testen

Die Maskenzone in Göttingen umfasst während der Corona-Pandemie die Innenstadt samt Wall und Albaniplatz. Schilder, wie hier in der Goethe-Allee, weisen darauf hin. (Symbolbild)
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Die Maskenzone in Göttingen umfasst während der Corona-Pandemie die Innenstadt samt Wall und Albaniplatz. Schilder, wie hier in der Goethe-Allee, weisen darauf hin. (Symbolbild)

Göttingen möchte über eine Teststrategie weitere Lockdowns vermeiden und Lockerungen ermöglichen. Für das Modellprojekt braucht die Stadt aber eine Genehmigung.

Göttingen – Was manche Wissenschaftler propagieren, manche Städte bereits versuchen, das will die Stadt Göttingen praktizieren: Über eine Teststrategie weitere Lockdowns vermeiden und Lockerungen ermöglichen. Das haben Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und Sozialdezernentin Petra Broistedt (SPD) am Donnerstagabend (18.03.2021) öffentlich gemacht. Sie streben an, dass Göttingen als Modellkommune „Sichere Stadt durch Schnelltests“ anerkannt wird, dafür eine Genehmigung erhält – wie zum Beispiel Tübingen.

Köhler appelliert an die Landesregierung, die bisherige Strategie in Bewältigung der Corona-Krise zu überdenken. Das entspricht den Positionen und Forderungen des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds sowie des Landkreistags.

Göttingen als Vorreitermodell: Stadt will mehr Corona-Lockerungen ermöglichen

Der Oberbürgermeister konstatiert, dass den Menschen in Göttingen, die sich „mit großer Mehrheit“ an die geltenden Corona-Regeln hielten, eine Lockerungsperspektive fehle. „Wenn die richtigen Stellschrauben bewegt werden, kann das öffentliche Leben bei entsprechender Inzidenzwert-Lage durchaus großzügigere Lockerungen verkraften“, sagt Köhler.

Auch solle so vermieden werden, dass Lockerungen oder Verschärfungen nach dem Gießkannenprinzip erlassen würden. Folglich also Menschen in Orten treffen, die weit auseinanderliegen und sehr unterschiedliche Corona-Lagen und Infektionszahlen haben.

Göttingen: Lockerungen in Kultur und Gastronomie mit Corona-Schnelltests

Auch Petra Broistedt, die Köhler im September gerne als Oberbürgermeister beerben möchte, sieht eine „bröckelnde Akzeptanz für die Einschränkungen bei den Menschen“, zwar langsam aber doch spürbar. Die Sozialdezernentin wurde im Gespräch mit unserer Zeitung am Donnerstagabend noch konkreter: Sie ist für eine schnelle Lockerung, basierend auf den Inzidenzwerten, die für sie „eine Relevanz und Aussagekraft als Messzahlen haben“.

Göttingen steht diesbezüglich seit Wochen im Vergleich mit anderen ähnlich großen Städten in Niedersachsen gut da. „In der vergangenen Woche schwankte der Wert zwischen 35 und 38, wir waren auch schon unter 35.“ Deshalb ist Broistedt für eine schnelle, moderate Lockerung: „Ich kann mir vorstellen, den Einzelhandel, die Außengastronomie und bestimmte Kultureinrichtungen wie Theater und Kinos zu öffnen.“ Aber nur für die, die ein negatives Schnelltestergebnis vorweisen können.

Corona-Lockerungen: Schnelltestzentren sollen in Göttingen die Basis sein

Die Basis dafür müsse ein Netz mit Schnelltestzentren bilden. Die Stadt könne diese neben dem Impfzentrum an der Siekhöhe aber nicht auch noch betreiben, stellt die Dezernentin klar.

Sie sagt aber auch, dass es bereits Gespräche mit vorhandenen und möglichen Betreibern solcher Testzentren gegeben habe, oder noch liefen. In Göttingen entstünden zügig Schnelltestzentren: So über einen Apotheker, ein bestehendes Zentrum am Cinemaxx-Kino das anstrebt, 1000 Schnelltests am Tag abwickeln zu können. Möglich wäre auch das Testen im Deutschen Theater, wo die Mitarbeiter unter Federführung einer medizinisch ausgebildeten Regieassistentin getestet werden. „Vor Vorstellungen könnten auch Zuschauer sich einem Test unterziehen.“

Corona-Lockerungen in Göttingen? Land Niedersachsen muss entscheiden

Ebenso wichtig für Petra Broistedt ist grünes Licht für Sport im Freien – auch in den Vereinen. „Vor allem die Kinder und Jugendlichen hatten seit einem Jahr praktisch kein regelmäßiges Sportangebot im Verein.“ Das müsse sich wieder ändern.

Die Gesundheitsdezernentin betont, dass trotz Tests und Orientierung an Inzidenzzahlen die geltenden Hygiene-, Abstands- und Maskenauflagen weiter eingehalten werden müssen.

Für alle Lockerungen aber müsste das Land Niedersachsen grünes Licht geben. Das Sozialministerium hatte kürzlich abgelehnt, als die Göttinger nach Inzidenzen um die 35 angefragt hatten. Auch mit dem Hinweis, dass dafür Ministerpräsident Stephan Weil zuständig sei. Der Ball liegt also im Feld der Staatskanzlei in Hannover. Sie könnte ihn per Steilpass für die Modellstadt Göttingen ins Spiel bringen.

Corona in Göttingen: Dehoga und Handelverband fordern Teilnahme an Modellversuch

Der Kreisverband Göttingen-Duderstadt im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und der Kreisverband Göttingen im Handelsverband Hannover fordern, dass die Stadt Göttingen unbedingt an dem Modellprojekt zur Lockerung der Corona-Auflagen teilnimmt.

„Die Inzidenzwerte in Stadt und Landkreis Göttingen seien seit Langem stabil und im Vergleich zu anderen Regionen sowie dem Land Niedersachsen sehr niedrig“, sagen Dehoga-Kreischef Olaf Feuerstein und Alexander Grosse Handelsverbands-Vorsitzender übereinstimmend. „Wenn nicht wir, wer sonst?“, so die beiden Verbandsvertreter weiter. Es müsse endlich etwas passieren, damit es in den Unternehmen wirtschaftlich weitergehe. Beide fordern deshalb eine unverzügliche und konsequente Entscheidung der Stadt Göttingen. (Bernd Schlegel und Thomas Kopietz)

Während Göttingen aktuell eine Inzidenz von 33,1 (Stand 19.03.2021) hat, steigen die Fallzahlen in anderen Regionen Niedersachsens weiter an. Wenn die Inzidenz in Städten und Kreisen drei Tage in Folge über 100 liegt, wird in Niedersachsen die Corona-Notbremse gezogen.

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