"Dorf - Einmal Landkreis und zurück" vom boat people projekt

Theater-Premiere im Schloss Gieboldehausen: Von Klischees und Spezialitäten des Landlebens

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Hoch die Tassen! Das Theaterstück des „boat people projekts“ zeigt verschiedene Facetten des Landlebens. Auch ein bisschen Alkohol gehört dazu.

Gieboldehausen. Premiere für „Dorf – Einmal Landkreis und zurück“ im Schloss Gieboldehausen: Das Göttinger „boat people projekt“ hat gemeinsam mit Dorfbewohnern aus dem Landkreis ein ganz besonderes Theaterstück auf die Beine gestellt.

Ein halbes Jahr lang haben Menschen aus unterschiedlichen Orten des Landkreises Göttingen gemeinsam mit dem Team des „boat people projekts“ rund um das Thema Zukunftsträume und Dorfleben experimentiert, diskutiert und produziert. Herausgekommen ist ein tolles Theatererlebnis, bei dem die 32 Laien-Schauspieler die Besucher mitnehmen auf eine Führung durch das fiktive Dorf „Hausen“, irgendwo in der Pampa im Landkreis Göttingen. Mit knapp achtzig Zuschauern ist die Premiere ausverkauft. Es gibt nur noch drei Termine.

Quer durch’s Schloss

Willkommen in Hausen: Das Schloss Gieboldehausen verwandelte sich zur Premiere von „Dorf – Einmal Landkreis und zurück“ in ein Dorf irgendwo im Landkreis Göttingen.

In vier Gruppen zu je zwanzig Personen werden die Zuschauer mit in verschiedene Teile des Dorfes genommen. Zunächst geht es nach „Oberoberhausen“, ein Raum auf dem Dachboden des Gieboldehäuser Schlosses, das sich ideal für die Aufführung eignet. Hier gibt es eine fiktive Dorfsauna, die im ganzen Landkreis bekannt ist. Doch in den ersten fünf Saunajahren sollten sich neue Gäste verbal lieber zurückhalten, denn hier auf dem Dorf liebt man Gerüchte. So erfahren die Zuschauer, dass ein gewisser Heinz seit einem Jahr nicht mehr gesehen wurde. Im Dorf geht das Gerücht um, er bastele an einer Zeitmaschine.

Nach 15 Minuten geht es ein Stockwerk tiefer in die Dorfküche. Hier versammeln sich einmal wöchentlich sechs Dörfler und kochen zusammen. Natürlich gibt es den neuesten Dorftratsch inklusive. Und musikalisch wird es: Zur instrumentalen Begleitung auf dem Piano von Hans Kaul singen die sechs Köche das Gleichen-Lied: „Benniehausen gibt mir den Kick, Ischenrode wird zur Freundin gemacht, in Sattenhausen halte ich es aus, der Ort der neuen Mode – Beienrode.“

Klischee-Familie

Plötzlich werden alle achtzig Besucher zur Dorfversammlung in die Amtsstube einberufen, die sich im Erdgeschoss – Pardon – in „Unterhausen“ befindet. Hier geht es um die Frage, ob es einen Hamster- oder Meerschweinchenfriedhof geben soll. Und es wird beschlossen, dass im Friedwald keine Städter mehr beigesetzt werden dürfen.

Zu Gast bei Familie Klischee: Bei der Premiere von „Dorf – Einmal Landkreis und zurück“ konnten die Zuschauer auch eine mehr oder weniger typische Familie vom Lande kennenlernen.

Szenen vier und fünf spielen wieder in den Kleingruppen: Man ist zu Gast bei Familie Klischee. Es gibt reichlich echten Alkohol, auch für die Gäste der Theatershow. Man erfährt, dass Oma Klischee schon hier in Hausen geboren wurde: „Es war eine Hausen-Geburt.“ Und es wird debattiert, ob die Hochzeitsreise ihrer Kinder nach Gomera oder Gomorra gehen soll.

Zwei Friedhöfe

Weiter geht es zum Frühschoppen mit Bier und Snacks ins erste Obergeschoss, nach „Oberhausen“, wo direkt vor Partybeginn ein Stromausfall für Aufregung sorgt. So erfahren die Gäste von den Schauspielern im Dunkeln, dass zum Dorffest in „Imbsen“ 2000 Besucher kamen, und dass man hier in „Hausen“ nicht mal eine Kirmes auf die Beine gestellt bekommt.

Zum Ende des Stücks folgt wieder eine Dorfversammlung mit allen Gästen. Tagesordnungspunkt: Heinz ist wieder aufgetaucht und berichtet als Zeitreisender aus der Zukunft von „Hausen“: 2025 werde es hier einen Hamster- und einen Meerschweinchenfriedhof, drei Bushaltestellen mit Fahrten im 30-Minuten-Takt und eine Arztpraxis mit MRT geben. Eine Wunschvorstellung?

Interessant und kreativ

„Dorf“ gibt Einblick in das schöne schnöde wie ereignisreich bis wunderbar öde Leben auf dem Land. Dabei ist Hausen ein Dorf wie jedes andere in Südniedersachsen mit seinen Traditionen, Bräuchen und Cliquen, idyllischen Plätzen und auch gruseligen Ecken.

Ein interessantes, kreatives Stück mit Happy End findet Zuschauer Carsten Stralucke aus Bernshausen. Auch Maike Kons aus Spanbeck fand das Stück großartig: „Ich habe mich als Dorfbewohnerin wiedergefunden.“

Nur noch an zwei Tagen gewähren die Einwohner von Hausen Einblick in ihr Dorf. Und zwar am Freitag, 6. April, um 19 Uhr und am Samstag, 7. April, um 15 und 19 Uhr, im Schloss Gieboldehausen. Für den Freitag gibt es jedoch nur noch eventuelle Restkarten an der Abendkasse. Eintrittskarten für die Aufführung am Samstag gibt es noch im Internet.

www.boatpeopleprojekt.de

Theater-Premiere im Schloss Gieboldehausen

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