Thema des Jahres: Rechter Freundeskreis spürt Gegenwind in Göttingen

Nazis raus: Bündnis gegen Rechts gegen NPD-Kundgebung am 10. September am Bahnhof. Foto: Kopietz

Göttingen. Das ganze Jahr über sorgte eine rechte Gruppierung für Schlagzeilen. Der Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen rief in Göttingen und darüber hinaus viele Gegner auf den Plan.

Der Rechtsruck ist 2016 auch in Göttingen zu spüren. Aber die Gegenbewegung ist stark, wenn auch gespalten in der Wahl ihrer Mittel. Den rechten Mitgliedern des Freundeskreises (FK) Thüringen/Niedersachsen jedenfalls bläst der Gegenwind kräftig ins Gesicht - spätestens als klar ist, dass der FK mehr als eine Interessengemeinschaft, ein „freiheitlicher Bürgertreff“, ist.

Zunächst mobilisieren die linken Gruppen in Göttingen gegen die Mahnmal-Veranstaltungen in Duderstadt. Dann formiert sich ein breites „Bündnis gegen Rechts“, dabei sind Parteien, Gewerkschaften und interessierte, für die Demokratie eintretende Menschen.

Am Kernort für Freundeskreis-Veranstaltungen in Duderstadt versammeln sich Anfang 2016 etwa 100 Rechte, darunter bekannte Köpfe der Thüringer Neo-Nazi Szene. Und: Der Freundeskreis breitet seinen Radius aus: nach Northeim, nach Bad Lauterberg, nach Dransfeld und Adelebsen - schließlich auch nach Göttingen, wo im Mai die erste Kundgebung vor dem Bahnhof stattfindet. 50 Neonazis stehen 500 Demonstranten gegenüber - dazwischen die Polizisten. Sie müssen die erlaubte Kundgebung schützen, eine Gewalt-Eskalation verhindern. FK-Rädelsführer ist Jens Wilke. Er hetzt und schimpft gegen Flüchtlinge. Und er tritt bei der Landratswahl an, erhält dabei 2,6 Prozent der Stimmen. Kurz vor der Wahl gibt es wieder eine Kundgebung. Linke Aktivisten zünden Barrikaden auf Straßen an. Es kommt zur Gewalt gegen Polizisten. Im November gibt es eine Schlägerei vor der Stadthalle: Fünf rechtsradikale beschimpfen und bedrohen den Kreistagsabgeordneten Meinhart Ramaswamy (Piraten) vor dessen Haus. Mit Linken kommt es zur Schlägerei, die die Polizei hätte verhindern können. Denn sie hat eigentlich gut gearbeitet: vor der Stadthalle, am Bahnhof und in der Stadt waren mehrere Hundertschaften vor Ort. Die Taktik heißt Defensive bei Veranstaltungen, Offensive bei der Information per Lautsprecheransagen, Facebook- und Twittermeldungen.

Das gemäßigte Bündnis gegen Rechts sieht sich in Göttingen als Sieger, weil die FK-Veranstaltungen in Göttingen zuletzt nur mit einer Handvoll Neo-Nazis stattfinden, begleitet aber von hunderten Gegendemonstranten. Und was passiert 2017? (tko)

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