Torhaus-Galerie: Spiel zwischen Steinfiguren und abstrakter Malerei

Verbindungen entdeckt: Christoph Beer und Angela Götz-Krohn stellen zusammen aus – der Maler aus Berlin und die Steinskulpturen-Künstlern aus Göttingen. Die Ausstellung läuft ab Freitag in der Torhaus-Galerie am Stadtfriedhof. Foto: Kopietz

Göttingen. Sie kennen sich lange, sind beide Künstler – zusammen ausgestellt haben der Berliner Christoph Beer und die Göttingerin Angela Götz-Krohn aber noch nie – bis jetzt: ab Freitag werden ihre Werke in der Torhaus-Galerie auf dem Alten Stadtfriedhof zu sehen sein.

Und für beide ist das ein echtes Erlebnis: „Ich bin in Göttingen aufgewachsen, und jetzt endlich mal hier zeigen zu können, was ich so mache, das ist toll“, beschreibt Christoph Beer seine Gefühle in Bezug auf die Ausstellung mit dem Titel „Unter der Oberfläche“. Der ist treffend, denn auf den Gemälden Beers passiert das Wesentliche erstaunlicherweise auch unter der Oberfläche. Oder: Es schlummert dort im Verborgenen, solange der Künstler es nicht durch Entfernen von Farbschichten zu Tage fördert. So schabt und kratzt Beer manchmal die dick aufgetragene Ölfarbe bis auf die Leinwand ab, und erlebt dann Erstaunliches: „Plötzlich ergibt sich ein Thema, ein Bild.“ Beschreiben kann er das Prozedere nicht, einen Plan hat er eben so wenig. „Ich fange an, dann entwickelt sich Etwas, bis praktisch der große Moment kommt.“

Und der Betrachter der groß- oder kleinformatigen, gern farbigen Bilder, sieht, ja spürt förmlich diesen Moment. Es sind Bilder, die keine Anleitung zum Schauen erfordern, jeder erkennt, sieht etwas anderes, beeinflusst von Betrachtungswinkel und Licht.

Beleuchtung und Position des Betrachters spielen für die Werke von Angela Götz-Krohn ebenfalls zwingend eine Rolle: Die Skulpturen der Steinbildhauerin wollen rundherum angeschaut, ja förmlich berührt werden. Sie arbeitet mit Thüster Kalkstein, Material, das erst rau und abweisend erscheint, nach der Bearbeitung von Hand weiche, runde und fließende Formen meist des menschlichen Körpers annimmt – dabei werden die Eigenheiten des Kalks mitsamt jahrmillionenalter Einschlüsse deutlich.

Köpfe und Körper findet man auch in Beers Motiven. Das Besondere an der Ausstellung ist deshalb: Die abstrakten Bilder Beers und die wohl proportionierten und weich geformten Skulpturen Götz-Krohns ergänzen sich. Es entstehen Verbindungen, je nach Betrachter und Ort. Die beiden Künstler haben das beim Aufbau entdeckt und berücksichtigt.

So haben die beiden Künstler, die bisher nie zusammen ausstellten, Gemeinsamkeiten in ihren Arbeiten entdeckt. „Das ist wunderbar“, sagt Angela Götz-Krohn, die ein Atelier bei Friedland hat, mit einem Lächeln.

Die Gemeinsamkeiten zwischen Steinskulpturen und abstrakter Malerei sind in der Torhaus-Galerie am Stadtfriedhof von Freitag, 4. November, bis Sonntag, 4. Dezember, zu sehen. Am Sonntag, 6. November, sind die Künstler für ein Künstlergespräch vor Ort. (tko)

Von Thomas Kopietz

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