Ermittler: Mitarbeiter berichteten von Auffälligkeiten

Transplantationsprozess: Nicht selbst Daten manipuliert

Verfolgten den Auftritt des ersten Zeugen: Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff und Staatsanwalt Andre Schmidt, von der Staatsanwaltschaft Braunschweig im Göttinge Landgericht.

Göttingen. Am Freitag wurde im Prozess gegen den Göttinger Transplantationsprozess auch der Ermittllungsführer der Polizei gehört. Er schilderte die Geschehnisse um den Beginn der Ermittlungen.

Eine anonyme Anruferin hatte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auf angebliche kriminelle Machenschaften am Göttinger Klinikum hingewiesen und dabei explizit diesen Fall genannt. Zunächst überprüfte die Bundesärztekammer den Fall.

Mehrere Monate später informierte sie die Göttinger Universitätsmedizin, die die Staatsanwaltschaft einschaltete. Diese ordnete zunächst gegen den Chirurgen Untersuchungen an. Später ließ sie auch die Wohn- und Büroräume des Leiters der Abteilung Gastroenterologie/Endokrinologie durchsuchen, weil der Verdacht bestand, dass er an den Manipulationen beteiligt gewesen sein könnte.

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Anlass war auch die Aussage einer Pflegedienstmitarbeiterin, sagte der Ermittlungsführer der Polizei. Diese habe angegeben, ein Gespräch zwischen beiden Medizinern mitgehört zu haben, in dem davon die Rede gewesen sei, dass die Blutwerte eines Patienten „optimiert“ werden müssten. Auch andere Klinikumsmitarbeiter hätten von Auffälligkeiten berichtet. So soll sich der Angeklagte bei anderen leitenden Ärzten erkundigt haben, ob es möglich sei, Ultraschall-Befunde zu ändern und Dialysen nachträglich zu erfassen.

Keine Hinweise fanden die Ermittler darauf, dass der Angeklagte selbst falsche Daten an Eurotransplant übermittelte. Für die Dateneingabe waren zwei Mitarbeiter der Transplantationskoordination zuständig. Diese hätten angegeben, dass ihnen die mutmaßlich falschen Angaben zu Dialyse-Behandlungen telefonisch vom Angeklagten durchgegeben worden seien, sagte der Zeuge.

Bilder vom Prozessauftakt

Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen

Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek

Der Chirurg soll veranlasst haben, dass Patienten fälschlicherweise als Dialyse-Patienten gemeldet wurden, um eine höhere Dringlichkeitsstufe anzeigen zu können.

Thema waren vor Gericht auch die Arbeitsabläufe und die -zeiten. So gab O. an, „24 Stunden am Tag, 30 Tage im Monat und zwölf Monate im Jahr“ im Dienst gewesen zu sein, dann, wenn sein einziger Kollege wegen langer Krankheit gefehlt habe. Das habe der Vorstand gewusst. Er selbst habe aber aus Liebe zum Beruf gehandelt. Außerdem ging es um Entscheidungen im Fall einer Transplantation: Nur der Transplantateur könne entscheiden über Annahme oder Ablehnung eines angebotenen Organs. Das müsse vor dem Beginn der OP geschehen, sagte O.. Zu Abbrüchen während einer Operation sei es höchst selten gekommen.

Der Prozess am Landgericht wird am 2. September fortgesetzt. (pid/tko)

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