Trittin spricht mit Menschen, die von Abschiebung bedroht sind

Gesprächsrunde in der Tischlerei: Meister Christian Baur kann nicht verstehen, das qualifizierte Asylbewerber wie Nino Navakovic und Milos Ilic abgeschoben werden sollen. Kaya Schellenberg (2. von rechts) setzt sich für die beiden ein.
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Gesprächsrunde in der Tischlerei: Meister Christian Baur kann nicht verstehen, das qualifizierte Asylbewerber wie Nino Navakovic und Milos Ilic abgeschoben werden sollen. Kaya Schellenberg (2. von rechts) setzt sich für die beiden ein.

Groß Schneen. Um die Abschiebepolitik in Niedersachsen ging es am Dienstag bei dem Besuchs des Grünen-Spitzenpolitikers Jürgen Trittin in der Tischlerei Baur in Groß Schneen bei Göttingen. Trittin nahm sich viel Zeit für die Gespräche mit zwei Asylbewerbern.

Schon während der Studienzeit an der Uni Göttingen hatte Trittin leidenschaftlich für die Belange von Asylbewerbern gekämpft, die in den siebziger Jahren teilweise unter schlimmen Bedingungen leben mussten. „Vieles hat sich seitdem zum Besseren gewandelt, aber auch heute stehen zu oft junge Menschen vor dem Nichts“, sagt er.

Um sich ein genaues Bild zu machen, traf sich Trittin nun im Rahmen seiner zweimonatigen „Deutschland-ist-erneuerbar-Tour“ mit zwei jungen Serben, die zwar eine Ausbildung in Deutschland machen oder bereits abgeschlossen haben, die aber dennoch jederzeit mit der Abschiebung rechnen müssen.

Einer von ihnen ist Milos Ilic. Trotz vieler persönlicher Schicksalsschläge und obwohl ihm deutsche Behörden viele Steine in den Weg legten, hat der Asylbewerber vor kurzem bei Tischlermeister Christian Baur in Groß Schneen eine Ausbildung zum Tischler erfolgreich beendet. Dass er dennoch kaum Chancen auf einen Verbleib in Deutschland hat, ist nicht nur für seinen Chef ein Skandal. „Hierzulande wird über zunehmenden Fachkräftemangel geklagt und dann werden Menschen wie Milos einfach abgeschoben, nur weil es die Rechtslage so vorsieht“, sagt Christian Baur.

Ein weiteres Beispiel führte Kaya Schellenberg von der Initiative FairBleib an, die sich mit Rat und Tat für Asylbewerber einsetzt. Der 17-jährige Serbe Nino Navakovic hat gerade die Realschule mit einem Notendurchschnitt von 1,2 absolviert, womit ihm alle Türen – auch für das Abitur und ein Studium – offen stehen.

Da die Gefahr der Abschiebung für ihn als Schüler oder Student aber noch größer werde und er der Gesellschaft finanziell nicht zur Last fallen wolle, habe sich Novakovic für eine Lehre in einem Northeimer Möbelhaus entschieden.

Die Angst vor der Abschiebung sitze ihm dennoch permanent im Nacken. „Ganz abgesehen von der schlimmen persönlichen Situation kann es doch nicht sein, dass wir solche Ressourcen einfach verschwenden“, meinte Schellenberg.

Eine Meinung, die Jürgen Trittin teilt. Er zitierte den ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU): „Wer fünf Jahre hier ist, den kann man nicht mehr abschieben“.

Diese Einstellung habe sich aber leider nicht durchgesetzt. „Wir tun so, als wäre es eine besondere Ehre, die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen“, meinte Trittin. „Dabei haben die meisten von uns sie nur durch Zufall und brauchten selbst gar nichts dafür zu tun.“

Von Per Schröter

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