Tummelplatz für Profis und Talente: Kunsthaus für Weltklassefotografie

Mittelpunkt im künftigen Kunst-Quartier: Der Ziegelbau neue Galerie an der Düsteren Straße in Göttingens Innenstadt. Architekt Sebastian Thaut vom Atelier ST aus Leipzig zeigt das Modell am Dienstag bei der Konzept-Präsentation. Foto: Kopietz

Göttingen. Mit dem KunstQuartier und dem Kern "Kunsthaus" soll Göttingen zu einem herausragenden Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst und Fotografie werden. Die Beteiligten um Verleger Gerhard Steidl, die Stadt Göttingen, Architekten und Kuratoren stellten das Projekt am Dienstag vor.

Bislang machten Kunst-Quartier und Kunsthaus-Galerie in der südlichen Innenstadt vor allem über den Architektenwettbewerb und politischen Streit Schlagzeilen – weniger durch konkrete Inhalte. Nun sind es jene Einzelheiten, die aufhorchen lassen. Vorneweg sprach Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), beeinflusst von den Konzept-Inhalten, ein optimistisches Fazit: „Göttingen kann dadurch nur gewinnen!“

Kristallisationspunkt und „Impulsgeber“, wie Kulturdezernentin Petra Broistedt sagte, wird dabei das Kunsthaus sein, die das Architekturbüro Atelier ST (Leipzig) – zweitplatziertes Büro im Wettbewerb – realisiert. Auf drei Geschossen plus Keller und etwa 400 Quadratmetern Fläche ist Raum für Ausstellungen von Weltniveau. Laut Gerhard Steidl, dessen Grass-Archiv an die Galerie angrenzt, bieten sich so in Göttingen endlich Präsentationsräume, „die gehobenen Ansprüchen genügen – hinsichtlich Beleuchtung, Raum, Klimatisierung und Luftfeuchtigkeit“. Daran habe es in Göttingen bisher gemangelt.

Steidl, ausgestattet mit hervorragenden, weltweiten Kontakten in der Fotografie-Szene und Macher wunderbarer Fotobücher, wird zwei Jahre als Gründungsdirektor und Triebfeder für den künstlerischen Betrieb dienen. Bereits eingespannt hat er große Namen als Kuratoren für die ersten Ausstellungen: Ute Eskildsen, einst auch Direktorin am herausragenden Museum Folkwang in Essen tätig, und Joshua Chang, der an großen Museen und Universitäten wie Yale (USA) arbeitete.

Das grobe Programm für den Auftakt irgendwann 2018 steht. Dann werden in Göttingen ausstellen: Richard Serra und Roni Horn aus New York und Lina Barnard aus Brighton. Zu sehen werden auch die im Bestand der Universitätsbibliothek befindlichen Bücher Edward S. Curtis (Los Angeles) sein.

Gleichzeitig soll das Kunsthaus und das Kunst-Quartier, wo an der Nikolaistraße zwei kleinere Galerien entstehen sollen, offen sein. In Kooperation mit Einrichtungen wie der Universität, Schulen und dem Göttinger Künstlerhaus sollen junge Menschen an die (Foto-Kunst) herangeführt werden. Damit soll ein schwieriger Spagat geschafft werden: das Kunst-Quartier als Ort für lokale Veranstaltungen und internationale Kunstpräsentation.

Für das Projekt erhält die Stadt vom Bund 4,5 Millionen Euro aus dem Topf „Nationale Projekte des Städtebaus“. Politisch umstritten und nicht geklärt ist, wie die jährlichen Betriebskosten von geschätzten 200.000 Euro gedeckt werden sollen. Für den Betrieb könnte eine gemeinnützige GmbH gegründet werden, sagte Köhler.

Von Thomas Kopietz

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