Litfin-Stiftung machte Kauf von Kamera zur Beobachtung der Tiere möglich

Warten auf die Turmfalken

Schulleiter Dr. Wolfgang Schimpf (rechts), Prof. Gerd Litfin und Susanne Litfin beobachten, was sich in der Falken-Unterkunft tut.
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Schulleiter Dr. Wolfgang Schimpf (rechts), Prof. Gerd Litfin und Susanne Litfin beobachten, was sich in der Falken-Unterkunft tut.

Göttingen. Wolfgang Schimpf schaut gebannt auf seinen PC-Bildschirm, auf dem eigentlich gar nichts Dramatisches zu sehen ist. Ein Schwarz-Weiß-Bild zeigt einen kleinen rechteckigen Raum, in den Tauben ein- und ausfliegen.

Schulleiter Schimpf hat den Live-Blick in einen winzigen Raum im Dachboden des Göttinger Max-Planck-Gymnasiums. Übermittelt wird er von einer wetterfesten Kamera, die durch ein Projekt der Litfin-Stiftung möglich gemacht wurde und eigentlich Turmfalken beim Brutgeschäft aufnehmen soll.

"Es kann nicht mehr lange dauern", sagt Wolfgang Schimpf und meint, dass die Turmfalken die Zwischenmieter aus dem den Raubvögeln zugedachten Domizil vertreiben. "Die Falken haben schon begonnen aufzuräumen."

Susanne Litfin und Prof. Gerd Litfin hören dem Schulleiter amüsiert zu, der nach eigenem Bekunden zuvor recht wenig Kenntnisse über die Falken hatte, obwohl die Tiere seit vielen Jahren im Giebel des 1884 gebauten Schulgebäudes nisten.

Die Schüler der Fachgruppe Biologie wollten aber gerne einen dauerhaften Blick in die Nistkiste der Turmfalken werfen, und nun kamen Susanne und Gerd Litfin ins Spiel. Ihre Stiftung bietet über das Portal "Impulse für Göttingen" die Vermittlung und Finanzierung von Projekten für gemeinnützige Organisationen - auch Schulen - an. Dort kann über das Ausfüllen eines einfachen Formulars auf der Stiftungshomepage zur Spendenabgabe aufgerufen werden.

"Die Anfrage des Max-Planck-Gymnasiums haben wir sofort unterstützt, auch, weil wir gerne kleinen Projekten zur Realisierung verhelfen wollen", schildert Gerd Litfin.

Die Resonanz für das Falken-Kamera-Projekt war groß: Der blaue Grafik-Balken auf der Homepage breitete sich zügig aus. Die für den Kamerakauf kalkulierten 500 Euro waren bald erreicht. "Es war spannend zu verfolgen, wie die Spenden eintrudelten", sagt Wolfgang Schimpf, der jetzt täglich via Schule-Homepage das wahre Ergebnis sehen kann - den Blick in die Falken-Kinderstube.

Für den Schulleiter hat die Aktion aber einen weit größeren Nutzen: Schüler können das Tierleben in ihrem Schulgebäude beobachten, Lehrer die Erkenntnisse für den Unterricht nutzen und alle entwickeln eine größere Identifikation mit der Schule. Schön auch, dass viele Schüler und Eltern zuvor via "Impulse" verfolgen konnten, wie die Realisierung des Kamera-Projektes näher rückte. Nun ist sie da und alle sind zufrieden - jetzt müssen nur noch die Turmfalken für klare Verhältnisse im Giebelnest sorgen.

Susanne und Gerd Litfin jedenfalls freuen sich - auch ohne Falken - darüber, dass es Live-Bilder aus dem Nest gibt, bestätigt sich doch dadurch, dass "Impulse für Göttingen" funktioniert, schnell und unbürokratisch Projekte möglich werden. www.litfin-Stiftung.de; www.impulse-fuer-goettingen.de; www.mpg.de

Vielleicht fehlt die Falken-Frau

Wo sind die Turmfalken, sie waren doch sonst immer da? Im Max-Planck-Gymnasium fragen sich viele, zudem jetzt, da die Kamera installiert ist, wo denn die Bewohner der „Dachwohnung blieben? Der Falkner der Falknerei im „Berg-Wildpark Meißner“ in Germerode (Werra-Meißner-Kreis) wusste Rat: Wahrscheinlich sind die Witterungsverhältnisse daran schuld. In strengeren Wintern verlässt das Brutpaar den Horst, um am Mittelmeer zu überwintern. Ist das Nahrungsangebot knapp, wie in diesem Winter, dann sterben bis zur Brut maximal 70 Prozent der Tiere.

Es kann also sein, dass dem MPG-Turmfalken die Partnerin gestorben ist. Jetzt muss er eine Neue suchen. Aber das Angebot ist knapp. So lange aber noch nicht mindestens vier bis fünf Eier auf dem nackten Boden im Horst liegen, wird mit der Brut und damit mit längeren Aufenthalten im Horst, nicht zu rechnen sein. Das Infrarot-Licht der Kamera und das Gerät stören den Falken laut Aussage des Experten übrigens nicht. (tko)

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