Uni-Ausstellung: So ticken Wissenschaftler und Nobelpreisträger

Wissenschaft ist mehr als Nobelpreis: Ausstellungsmacher Joachim Baur (links) zeigt mit der Uni in Göttingen auch den Werdegang von Nobelpreisträger Stefan Hell (rechts). Foto: Jelinek

Göttingen. Ein kopfloser Nobelpreisträger – welch‘ Anachronismus! Wer die Ausstellung „On/Off. Vom Nobelpreis und den Grenzen der Wissenschaft“ in der Alten Mensa der Universität betritt, den erwartet eine Puppe ohne Kopf – bekleidet mit dem Frack eines echten Nobelpreisträgers: Stefan Hell (53).

Mit dem kopflosen Wissenschaftsstar setzen die Ausstellungsmacher um Joachim Baur (Die Exponauten), die Agentur Neo.Studio und das Team um Uni-Kustodin Marie-Luisa Allemeyer ein Zeichen: Hier geht es nicht nur um den jüngsten Göttinger Nobelpreisträger, sondern auch um Antworten auf die Frage: Welche Wege und Irrwege müssen Wissenschaftler gehen, um erfolgreich zu forschen?

Eine Antwort liefert Stefan Hell, dessen Lebensweg im Zick-Zack-Kurs verlief und der in einer der fünf Ausstellungsinseln nachgezeichnet wird. Geboren in Rumänien, als Migrant und Physiker in Deutschland trotz einer brillanten Idee unterschätzt, über Finnland zurück nach Deutschland. Geschadet hat Hell das nicht, eher stärker gemacht: „Diese Phasen und Wege haben mein Denken beeinflusst.“

Die modern gestaltete, punktuell, und nicht nur wegen mancher Stellwände, schräge Schau der Uni spricht junge Besucher besonders an, mit Präsentationen, Filmen, Tondokumenten und Mitmachaktionen. Eindrucksvoll wird an einem STED-Mikroskop gezeigt, wie Hell mit seiner Idee den Blick in lebende Zellen geschärft hat: durch das An- und Ausschalten von Molekülen per Laserlicht. Ein genialer Kniff, mit dem er die noch gültige These der Lichtbeugung austrickste. „Wir möchten die Menschen in den Event Nobelpreis hineinziehen, somit auch in das Thema Grenzen der Wissenschaft“, beschreibt Joachim Baur. Eines wollen die Ausstellungsmacher aber nicht: eine Hell-Heldenverehrung konstruieren. Gleichwohl wird der größte Wurf eines Wissenschaftlers (der Nobelpreis, für den er gar nicht so viel kann, da die Nominierung und letztlich die Auswahl nicht in seiner Hand liegt), am Beispiel Hells gezeigt. Folglich rückt der zwangsläufig in den Vordergrund. Gezeigt wird auch, was der Preis mit den Preisträgern macht: Sie werden zu öffentlichen Menschen. Zu sehen sind so auch Fotos von Prinzessin Madeleine als Tischdame von Hell und die Presseausschnitte über den fix zum „Star“ avancierten Forscher.

Interviews mit Wissenschaftlern wie der bekannten Primatenforscherin Julia Fischer geben Aufschluss über die Funktion, die Schwierigkeiten und die vermeintlichen Erfolgserlebnisse des Studien- und Wissenschaftsbetriebs, der auch zu wenig Freiraum bietet.

„On/Off.“, Veranstaltungshaus Alte Mensa, Wilhelmsplatz, bis 28. Mai 2017, Eintritt frei, dienstags bis sonntags 12 bis 19 Uhr. Sondertermine möglich. Begleitende Vortragsreihe „Science. Super. Stars“. Infos: www.uni-goetteningen.de/on-off

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