Uni-Forscher: Freiwilliger Sport hilft vor und nach Schlaganfall

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Sport für jüngere und ältere Menschen: Die 91-jährige Johanna Quaas gilt als die älteste Turnerin der Welt und übt hier mit ihrer Enkeltochter Susi. Sport wirkt vorbeugend gegen Schlaganfall und hilft danach bei der Regeneration geschädigter Gehirnareale.

Göttingen. Regelmäßig Sporttreiben hält das Gehirn jung und hilft vor den Auswirkungen eines Schlaganfalls. Das haben Wissenschaftlerinnen der Universität Göttingen herausgefunden.

Versuche mit Mäusen in der Abteilung Systemische Neurobiologie ergaben erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und einer erhöhten Wandlungsfähigkeit des Gehirns nach einem Schlaganfall.

Sport ist Therapie

Für Abteilungsleiterin Prof. Siegrid Löwel steht fest: „Unsere Studie zeigt, dass körperliche Aktivität sowohl vorbeugend wirkt, als auch therapeutisch nach einem Schlaganfall eingesetzt werden kann.“ Es ist also nie zu spät, Sport zu treiben und davon zu profitieren.

Ob Schlaganfallpatienten verlorene Fähigkeiten wiedererlangen können, hängt weitgehend davon ab, wie wandlungsfähig ihr Gehirn ist. Das heißt, der Erfolg einer Therapie wird davon geprägt, wie sich das Gehirn und durch einen Schlaganfall darin gestörte Schaltkreise wieder regenerieren, können.

Studie mit Mäusen

Die Grundlagenforscherinnen testeten, ob körperliche Aktivität einen positiven Einfluss auf die Plastizität des Gehirns hat, und dies nicht nur im alternden Gehirn, sondern auch nach einem Schlaganfall.

Die Mäuse entschieden freiwillig, ob und wie oft sie das Laufrad benutzten. „Sie taten das alle sehr häufig“, sagt Prof. Siegrid Löwel, Abteilungsleiterin am Johann-Friedrich -Blumenbach Institut für Zoologie und Anthropologie der Uni Göttingen. Löwel betont den Wert der Freiwilligkeit als wichtigen Faktor: „Erzwungene körperliche Betätigung scheint keine positiven Auswirkungen zu haben“.

Freiwilligkeit wichtig

Das freiwillige Sporttreiben zahlte sich für die kleinen Vierbeiner, die übrigens jeweils ähnlich lange Strecken liefen, aus: Die im Laufrad „sportelnden“ Mäuse besaßen ein jugendlicheres Gehirn bis ins hohe Alter. „Sie waren vor den negativen Auswirkungen eines Schlaganfalls besser geschützt“, so Dr. Evgenia Kalogeraki.

Gehirnerholung

Auch ein „Training“ nach Schlaganfall wirkte sich positiv aus: „Selbst Mäuse ohne Laufraderfahrung zeigten eine verbesserte Erholung, auch wenn sie erst nach dem Schlaganfall mit dem Laufen begonnen hatten“, sagt Dr. Justyna Pielecka-Fortuna.

Siegrid Löwel sagt aber auch, dass die Übertragbarkeit von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen generell mit Vorsicht zu betrachten ist. Aber: Sehr viele Studien würden belegten, dass sich Sport oder regelmäßige körperliche Betätigung auch sehr positiv auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns auswirkt.

Löwel jedenfalls hat – allerdings nicht nur aufgrund der neuen Studienerkenntnisse – begonnen, wieder mehr Rad zu fahren. „Nach dem Motto: Was den Mäusen gut tut, kann nicht schlecht für mich sein.“

Hoffnung für Patienten

Die Wissenschaftlerinnen hoffen deshalb, dass basierend auf diesen Befunden einfache, aber effektive Strategien entstehen – für die Prävention von Patienten, die anfällig für einen Schlaganfall sind, als auch zur Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass Mäuse, die in einer abwechslungsreichen Umgebung aufwachsen – mit freiem Zugang zu Laufrädern und erhöhten kognitiven/sozialen Anregungen – bis ins hohe Alter ein jugendlicheres Gehirn behalten (wir berichteten).

Die Untersuchung der Mechanismen der Hirnplastizität ist laut Siegrid Löwel nicht direkt am Menschen möglich, Tierversuche seien für diese Grundlagenforschung notwendig.

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