Göttinger Hobby-Spielern des FC Siewillja wird Frauenfeindlichkeit vorgeworfen

Uni-Kicker unter Beschuss: FC Siewillja wird Sexismus vorgeworfen

Göttingen. Für die einen ist es ein Studenten-Jux, für die anderen ein Skandal: Hobbyfußballer der Göttinger Uni-Liga müssen sich unverhofft gegen Sexismus-Vorwürfe wehren.

Angehende Psychologen, die wie zahlreiche andere Studenten-Teams in der Uni-Liga Fußball spielen, traten dort unter dem Spaßnamen FC Siewillja an. Das ist nichts Ungewöhnliches, heißen andere Mannschaften etwa TSG 1899 Besoffenheim, Standard Nuttich, Eintracht Fraunschweigt und SV Wacker Durchsaufen. Zudem schmückte das Team-Emblem bis vor kurzem eine knieende, nackte Frau.

Das war dann doch zu viel: Auf der Facebook-Seite der Hobby-Kicker entflammte eine Debatte, weil eine Studentin dies als sexistisch empfand. Sie machte ihrem Ärger in einem Kommentar Luft.

Kommentare auf Facebook

Nun kam der Ball ins Rollen. Mehrere Freunde der Studentin hätten auch auf der Seite kommentiert, berichtet ein Kicker-Insider der Uni-Liga (Name ist der Redaktion bekannt). Die Fußballer reagierten aus seiner Sicht ungeschickt auf die Kritik. Statt die Debatte zu entkräften, antworteten sie den zumeist weiblichen Mäklern, dass sie trotz des Namens sehr hübsche Frauen im Team hätten. Am Ende wurden alle Facebook-Kommentare von den Spielern gelöscht.

Inzwischen soll auch die Fachschaft der Studenten von einem Uni-Mitarbeiter die Aufforderung erhalten haben, zu dem Thema Stellung zu beziehen. Die Geschichte könne sich schließlich negativ auf den ganzen Fachbereich Psychologie auswirken. Eines der Team-Mitglieder ist sogar vor seiner Haustür abgefangen worden. Man hat ihm aufgelauert und ihn als Vergewaltiger beschimpft. Wer es war, weiß man nicht.

Von diesem Vorfall hat auch Christoph Köchy, Koordinator der Uni-Liga GmbH, gehört. „Bei dem Team-Namen handelt es sich nur um einen Gag. Es sind nette Jungs, die es nicht verdient haben, dass man so auf ihnen rumhackt. Das wirft leider ein schlechtes Bild auf ein tolles Projekt.“ Köchy versichert: „Wir nehmen die Kritik ernst und werden die Namen besser prüfen. Dafür werden wir einen Ausschuss bilden, der diese beurteilt.“ Er hat mit dem FC Siewillja gesprochen. Die Mitglieder hätten ihm versichert, dass sie niemanden diskriminieren wollten.

Mit Ernst sieht Christina Klöckner, Gleichstellungsbeauftragte der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, den Fall des FC Siewillja und dessen Emblem. „Solche Darstellungen sind frauenverachtend.“ Sie bemängelt zudem, dass das Team die Kritik auf Facebook einfach zensiert hat. Opfer sexualisierter Gewalt können laut Klöckner nicht darüber lachen: „Witze gern – solange alle darüber lachen können.“

Von Dorothea Backovic

Rubriklistenbild: © dpa

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