Uni-Mediziner: Bluthochdruckmedikament kann Nierenerkrankung stoppen

Preisträger: Uni-Mediziner Dr. Bjoern Tampe. Foto: UMG/nh

Göttingen. Der Göttinger Uni-Klinik Mediziner Dr. Bjoern Tampe hat eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: Das alte Bluthochdruckmedikament Dihydralazin kann schädliche Veränderungen bei chronischen Nierenerkrankungen rückgängig machen und die Niere schützen.

Dafür bekam Tampe jetzt den mit 8000 Euro dotierten Bernd-Tersteegen-Preis 2016 vom Verband Deutsche Nierenzentren (DN). Der Nierenexperte aus der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der UMG erhielt die Auszeichnung für eine Arbeit, in der erstmalig ein im Blut nachweisbarer, auf DNA-Nachweis basierender Biomarker für chronische Nierenerkrankungen entdeckt wurde.

Die Forschungserkenntnisse eröffnen möglicherweise Ansätze für eine ursächliche Behandlungsstrategie bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen.

Dihydralazin wird bereits seit 1947 als Blutdruckmedikament verwendet. Wegen der sehr geringen Gefahr von Nebenwirkungen wird es nach wie vor bei Schwangeren als Blutdruckmedikament der ersten Wahl verwendet. Die Schutzwirkung für die Niere wurde bisher übersehen, weil das Medikament die chronisch erkrankte Niere offenbar nur dann schützt, wenn es deutlich unterhalb der Dosierung liegt, die normalerweise zur Blutdrucksenkung verwendet wird.

Durch den Nachweis schädlicher DNA-Methylierung im Blut ist es nun möglich, ein individuelles Therapieansprechen auf Dihydralazin nachzuweisen.

Wenn die Nieren chronisch krank sind, gibt es in den meisten Fällen bislang noch keine schlüssige Behandlung, die bei der Ursache ansetzt. Etwa 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind davon betroffen. Epigenetische Veränderungen in Bindegewebszellen (Fibroblasten) der Niere gelten als entscheidender Faktor, der beim Voranschreiten chronischer Nierenerkrankungen entscheidend sind.

Mit dem Tersteegen-Preis fördert der Verband international die theoretische, vor allem aber anwendungsorientierte Forschung zu aktuellen Themen der chronischen und terminalen Niereninsuffizienz. (tko/umg)

Die Arbeit von Tampe u.a. ist im Januar 2015 im Wissenschaftsjournal “EBioMedicine” erschienen: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352396414000292

Nieren-Insuffizienz

Die Nieren haben viele Aufgaben. Wichtigste „Tätigkeit“ ist es, mit dem Urin Stoffwechselendprodukte und giftige Substanzen auszuscheiden. Erkrankt das Nierengewebe, ist diese Fähigkeit eingeschränkt, die Stoffe sammeln sich im Organismus an und vergiften ihn. Es kommt auch zu einer Überwässerung.

Ein solches Nierenversagen kann entweder plötzlich auftreten – akute Niereninsuffizienz – oder sich über einen längeren Zeitraum nach und nach verschlimmern – chronische Niereninsuffizienz. Im chronischen Fall übernimmt das gesunde Nierengewebe lange Zeit die Aufgaben des erkrankten Teils. So wird die Krankheit oft zufällig und erst spät entdeckt.

In Deutschland gelten mehr als 1,5 Millionen Menschen als nierenkrank. Ursachen sind oft Bluthochdruck und Diabetes Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Etwa 100.000 Deutsche sind auf eine dauerhafte Behandlung angewiesen, Etwa 80.000 werden mit Dialyseverfahren behandelt. (tko)

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