Modernisierung alter Gebäude

250 Gebäude muss die Uni Göttingen in Schuss halten: 238 Millionen für Bauten benötigt

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Aus den 70er-Jahren: Campus mit Zentralem Hörsaalgebäude. 

Göttingen. Nicht nur die Uni-Klinik ist marode. Auch an der Universität gibt es einen enormen Sanierungsbedarf von 238 Millionen Euro.

Landesweit beträgt dieser an niedersächsischen Unis laut Wissenschaftsministerium 1,5 Milliarden Euro. Der größte Investitionsbedarf besteht an der Uni Göttingen mit 50 Millionen Euro für den Neubau der Agrarwissenschaftlichen Fakultät und mit 55 Millionen Euro für die Bauabschnitte 4 und 5 der Chemie-Grundsanierung. 

Die Arbeiten dort laufen seit 2012. 72 Millionen Euro sind für die Bauabschnitte eins bis drei veranschlagt, wovon 16 Millionen Euro für den beendeten Abschnitt 1 enthalten sind. Größere Brocken sind auch die Sanierung des Forstwissenschaftlichen Institutes (12,3 Millionen Euro), die  Sanierung des Fernwärmenetzes (15 Millionen) und der Neubau Data-Science für die Informatik (10 Millionen). 

„Der Bedarf ist so groß, weil viele der Gebäude aus den 60er- und 70er-Jahren stammen und sanierungsträchtig sind“, sagt der Leiter Gebäudemanagement, Rainer Bolli. Dazu kommen viele kleinere Projekte. Erhaltung, Sanierung, Um- und Neubau werden stetig teurer. Der Bauboom sorgt für volle Auftragsbücher, steigende Preise und Handwerkermangel: „Für manche Arbeiten, so im Elektro-Bereich finden wir l so schnell keine Firmen.“

Weitere Schwierigkeit: Rechtsverbindliche Zusagen für Projekte, die mehr als zwei Millionen Euro kosten, kann das Wissenschaftsministerium laut Björn Thümler (CDU) nicht ohne Zustimmung des Landtags erteilen. 

Uni in der Sanierungsschleife

Die Gebäude der Uni Göttingen zu unterhalten, das ist eine Mammutaufgabe: etwa 250 Gebäude mit 600 000 Quadratmeter Fläche sind Eigentum der Universität.

440 Mitarbeiter

440 Mitarbeiter im Gebäudemanagement kümmern sich um die Liegenschaften und tun auch Dinge, die Außenstehende nicht erwarten: Sie pflegen auch uni-eigene Straßen, Gehwege und Plätze.

Dauer-Sanierung

„Repariert, saniert und gebaut wird eigentlich immer irgendwo“, wie Rainer Bolli, Leiter des Uni-Gebäudemanagements mit einem Lächeln sagt. Allein die Instandhaltung inklusive notwendiger Reparaturen kostet laut Bolli jährlich zehn bis zwölf Millionen Euro, etwa fünf Millionen muss die Uni selbst aufbringen, der Rest kommt vom Land.

Derweil schiebt die altehrwürdige Georg-August-Universität – sie wurde 1734 von Georg II. gegründet – einen Berg an notwendigen Investitionen vor sich her – nach Informationen des Wissenschaftsministeriums in Hannover rund 238 Millionen Euro.

Auch für neue Technik

Das Geld vom Land ist nötig zum Erhalt der Bausubstanz von oft vielen Jahrzehnten alten Gebäuden, aber auch für die Schaffung moderner Infrastruktur – wie beim Neubau des ultramodernen Rechenzentrums am Nordcampus, an das Uni, Universitätsmedizin sowie außeruniversitäre Forschungsinstitute angeschlossen sind und dort ab 2021 die dringend benötigten Rechnerkapazitäten finden werden.

Neubau Agrar-Fakultät

Ein langfristiges Neubauprojekt ist auch die komplette Umsiedlung der Agrarwissenschaftlichen Fakultät. Der Standort in Klinikumsnähe, Von-Siebold-Straße, wird aufgegeben. „Wir bauen zunächst am Nordcampus neue Gewächshäuser, sodass die Arbeit darin nicht ins Stocken gerät“, sagt Rainer Bolli, der davon ausgeht, dass das Vorhaben, der 50 Millionen Euro verschlingen wird, in zehn Jahren vollzogen sein wird.

Die alten Gebäude der Agrarwissenschaften stammen noch aus den 50er- und 60er-Jahren. Wie auch die Gebäude der ehemaligen Pädagogischen Hochschule (PH) am Waldweg.

Waschbeton-Fassaden

Gebäude aus dieser Zeit werden meist komplettsaniert, wie Bolli sagt und anfügt: „Das gilt aber auch für die Bauten aus den 70er-Jahren.“ In jenem Jahrzehnt wuchs die Universität enorm. „Zentralcampus und Gebäude im Nordbereich wie die Geo-Wissenschaften entstanden“, schildert Bolli. Sie sind oft an den Waschbetonfassaden zu erkennen. „Die meisten davon aber haben wir bereits saniert, was aus energetischen Gesichtspunkten auch dringend erforderlich war.“

An dem Komplex der Geowissenschaften aber stehen noch umfassende Sanierungen aus – sie finden sich noch nicht in der 238-Millionen-Liste des Landes wieder.

Neue Blockheizkraftwerke

Große Bedeutung für die Zukunft der Universität hat auch die Energieversorgung: „Wir bauen zwei neue Blockheizkraftwerke, eines am neuen Rechenzentrum.“ Sorgen bereitet dem „Bauten-Meister“ der Uni aber die Datenautobahnen: Die vergangenen Jahre wurden drei bis vier Millionen für Glasfaserverkabelungung und Datenzentren ausgegeben. Doch das Landesprogramm ist ausgelaufen. „Es muss weitergehen, das ist enorm wichtig für den Forschungsstandort“, sagt Rainer Bolli in Richtung Landesregierung, die eine Digitalisierungsoffensive starten will.

Exzellenz könnte kosten

Zu den 238 Millionen Euro Sanierungsstau der Uni werden weitere Kosten hinzukommen: „Was aufgeschoben wird, wird teurer“, benennt Rainer Bolli ein Problem, das auch private Hauseigentümer in Zeiten des Baubooms kennen. Und: Sollte die Uni im Exzellenzwettbewerb mit ihren vier Clustern erfolgreich sein, würde das erhebliche Investitionen auch in Neubauten erfordern. Die Entscheidung über diese für die Uni Göttingen enorm wichtigen Cluster fällt Ende September.

Und dann wäre auch wieder das Gebäudemanagement mit Rainer Bolli an der Spitze gefragt und gefordert.

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