Ethikklasse diskutiert über Tierversuche

Unterricht im Affenhaus

Neue Einblicke: Vor allem Rhesusaffen werden im Deutschen Primatenzentrum für Tierversuche gehalten.
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Neue Einblicke: Vor allem Javarneraffen werden im Deutschen Primatenzentrum für Tierversuche gehalten.

Göttingen. Sein Name ist Sunnyboy. Er ist ein kleiner Rhesusaffe, mag keinen Traubensaft und spielt gerne mit seinen Artgenossen. Sunnyboy lebt nicht im Zoo, sondern im Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen und ist dort einer von knapp 1400 Versuchstieren.

„Ist die Haltung von Tieren zu medizinischen Zwecken gerechtfertigt oder sollte sie verboten werden?“ Mit dieser Frage haben sich Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) im Ethikunterricht beschäftigt.

Das Interesse der 12. Klässler an dem Thema war so groß, dass ihre Lehrerin Jacqueline Ahrend einen Ausflug in das DPZ organisierte. Dort sehen die Schüler, wie Affen für wissenschaftliche Zwecke gehalten und für welche Untersuchungen sie benutzt werden.

In einem Einführungsvortrag erklärt Christian Kiel, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit, was das DPZ genau macht. Er erläutert, dass die Einrichtung aus mehreren Bereichen besteht. Dazu zählt unter anderem die Infektionsforschung, wo die Auswirkungen und Behandlungen von HIV und Ebola untersucht werden. Außerdem gibt es eine Abteilung für Neurowissenschaften, die die Gehirnfunktion der Tiere erforscht.

Im Anschluss an den Vortrag besuchen die Schüler die Gehege der Affen und machen sich ein Bild von deren Haltung. Der 17-Jährige Hauke Horstmann findet die Art der Unterbringung gut. „Es ist alles human hier“, sagt er. Die Affen hätten genug Platz, um rum zu toben. „Außerdem finde ich es wichtig, was hier für die Forschung gemacht wird.“

Nach der Besichtigung der Gehege machen sich die Schüler auf den Weg zum Bereich für Neurowissenschaft. Dort wird auch Sunnyboy eingesetzt. Er wird trainiert, per Knopfdruck auf visuelle Reize zu reagieren. Über Elektroden in seinem Gehirn werden seine Daten an einen Computer weitergeleitet. Laut Professor Alexander Gail sollen diese Versuche Erkenntnisse bringen, wie das Gehirn Befehle an den Körper weiter gibt. „Wir müssen das Gehirn besser verstehen, um Dinge, wie Neuroprothesen, zu entwickeln, die sich über das Gehirn steuern lassen.“

Diese Vorgehensweise stößt bei der Schülerin Antonia Alexei (17) auf Unverständnis. „Ich fände es besser, wenn Menschen, die sich freiwillig melden und dafür bezahlt werden, die Versuche machen würden.“ Dies wiederum sieht Professor Gail problematisch. Für ihn persönlich sei es ethisch nicht vertretbar Menschen solchen Operationen zu unterziehen.

Nach dem Besuch im Primatenzentrum wollen die THG-Schüler im Ethikunterricht weiter über das Pro und Contra von Tierversuchen diskutieren.

Von Benjamin Kling

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