Unterrichtsausfall: Opposition attackiert Kultusministerin

+
Muss wieder einmal der Kritik standhalten: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Diesmal geht es um den Stundenausfall und die Lehrerstellen an Schulen im Land.

Hannover. Mäßige Zahlen bei der Unterrichtsversorgung legt die Landesregierung vor. Die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) steht unter starkem Beschuss der Opposition im Landtag. Der Ton wird rauer.

Äußerlich gelassen blickt Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Mittwoch zum Rednerpult des Landtags. Dort stehen nacheinander die Schulexperten von FDP und CDU, Björn Försterling und Kai Seefried, und attackieren die Ressortchefin als „Totalausfall“.

Die Kritik

Die Oppositionspolitiker beklagen einen massenhaften Stundenausfall an den Gymnasien, insbesondere in den Fächern Mathematik, Physik und Musik. Rot-Grün produziere „die schlechteste Unterrichtsversorgung seit zehn Jahren“, kritisieren Försterling und Seefried. Sie spekulieren offen darüber, wie lange sich Heiligenstadt wohl noch im rot-grünen Kabinett halten könne. „Die Ministerin versagt bei der wichtigsten Aufgabe der Schulpolitik“, schimpft Kai Seefried. „Das muss man erst mal hinkriegen, so viel falsch zu machen.“ Die Zahlen der Elternräte sprächen eine eindeutige Sprache.

Reaktion der Ministerin

Die Ministerin steckt die Angriffe scheinbar ungerührt weg, geht in die Gegenoffensive. „Sie betreiben hier nichts als Panikmache“, ruft sie FDP und CDU entgegen. „Es gibt keinen generellen Ausfall. In keinem Schuljahr. In keiner Klasse.“ Heiligenstadt zerpflückt die Statistik des Verbandes „als ungenaue Hochrechnung“. Diese Einschätzung werde durch nichts belegt. Hätte es tatsächlich massive Stundenausfälle gegeben, hätte das Ministerium davon Kenntnis erhalten. Doch bei der Hotline Unterrichtsversorgung seien im neuen Schuljahr „ganze drei Hinweise“ eingegangen.

Die Zahlen

Nach einer vorläufigen Erhebung des Ministeriums betrage die Unterrichtsversorgung an öffentlichen Gymnasien 99,5 Prozent, fast die Hälfte dieser Schulen liegt sogar über 100 Prozent. Heiligenstadt widerspricht damit Zahlen des Verbandes der Elternräte an Gymnasien, nach denen die Unterrichtsversorgung im Schnitt nur 97 Prozent, an manchen Gymnasien sogar nur 90 Prozent betrage.

Die CDU ließ im Parlament eine Tabelle des Ministeriums verteilen. Danach sank die Unterrichtsversorgung an Gymnasien vom Höchstwert mit 102,9 Prozent in den Schuljahren 2011/12 und 2012/13 unter Rot-Grün auf 99 Prozent, was also ein Minus von 3,9 und nicht 5,0 Punkten ausmacht.

Lehrerstellen-Abbau

FDP-Mann Försterling macht eine andere Rechnung auf: In den vergangenen Jahren habe Rot-Grün permanent Vollzeitstellen abgebaut. Die Einstellungswelle zum neuen Schuljahr diene lediglich dazu, die Folgen des Urteils des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg zur Lehrerarbeitszeit zu kompensieren. „Sie haben aber nicht einen einzigen Lehrer, der in Ruhestand gegangen ist, ersetzt“, bemängelt der Abgeordnete. Insgesamt habe das SPD-geführte Ministerium 600 Stellen im Gegenwert von 30 Millionen Euro jährlich gestrichen. „Sie sparen hier zu Lasten einer Schulform, die Ihnen nicht passt“, wirft Försterling der Ressortchefin ideologische Politik zugunsten der Gesamtschulen vor. Um fünf Prozentpunkte sei dadurch die Unterrichtsversorgung gesunken.

Verbände pro Ministerin

Die Ministerin kann sich auf zwei andere Verbände berufen, die nicht gerade im Verdacht der Nähe zur SPD-Politikerin zu stehen. So hat der Vorsitzende der Niedersächsischen Direktorenvereinigung, Wolfgang Schimpf (Göttingen), die Klagen der Elternräte mit einem „Davon habe ich bislang nichts gehört“ kommentiert. Und Horst Audritz, Chef des Philologenverbandes, sprach lediglich von „singulären Eindrücken“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.