Verein Kunst: Sicherheit für Kultureinrichtungen

Düstere Straße: Hier soll das Kunstquartier entstehen. Initiator ist Verleger Gerhard Steidl, der auch sein Grass-Archiv hier baut. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler freut sich darüber. Foto: Kopietz

Göttingen. Der Göttinger Verein Kunst wird die Diskussion um das Kunstquartier kritisch begleiten. „Die Kultureinrichtungen brauchen Sicherheit“, lautet die Forderung des Vereins.

In einem von den Kulturschaffenden Nils König, Willi Arnold, Tobias Wolff und Anne Moldenhauer unterschriebenen Erklärung des Vereins Kunst (Kultur unterstützt Stadt) wird die Aussage von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) begrüßt, dass die Göttinger Kultureinrichtungen keine Kürzungen wegen der Finanzierung des geplanten Kunstquartiers zu befürchten haben.

„Aus Sicht des Vereins ist für die Göttinger Kultureinrichtungen auf mittlere Sicht trotzdem mit einer Verschlechterung der finanziellen Unterstützung zu rechnen, da durch das Entschuldungshilfeprogramm die Ausgaben für freiwillige Leistungen auf 3,24 Prozent des Haushalts gedeckelt sind“, heißt es in der Pressemitteilung des Vereins Kunst.

Das führt aus Sicht des Vereins unwillkürlich dazu, dass nur Einrichtungen wie das Deutsche Theater oder das Göttinger Symphonie Orchester, in deren Zuschussverträgen feste Steigerungsraten verankert sind, abgesichert sind, während für die kleinen Kultureinrichtungen und Initiativen nur ein kontinuierlich und zudem kleiner werdender Betrag übrig bleibt.

Der Verein Kunst beobachtet die Diskussion um die Finanzierung des Kunstquartiers mit großem Interesse, aber auch mit Sorge. Das Kunstquartier könne eine Bereicherung mit überregionaler Strahlkraft werden. Voraussetzung sei aber, dass „das zu erstellende Konzept durchdacht und im Hinblick auf die entstehenden Kosten überzeugend und belastbar“ ist, was nicht gegeben sei.

Laut der Kunst-Akteure muss zudem eine breite Diskussion mit Einbeziehung aller Kulturträger erfolgen, bevor Rat und Verwaltung entscheiden oder vollendete Tatsachen und schaffen. Der Verein Kunst bietet eine konstruktive Unterstützung an.

Derweil bleibt die CDU/FDP-Gruppe im Rat der Stadt bei seiner Ablehnung des Kunstquartiers. Sie fürchtet durch eine Realisierung des Kunstquartiers Nachteile für andere städtische Kultureinrichtungen.

So sei geplant, das Budget für Ausstellungen im Alten Rathaus um 50 000 Euro zu kürzen. Aktuell aber werde ein neuer Lift bis in die obere Ausstellungsetage gebaut. Ohne die 50 000 Euro werde es aber keine Ausstellungen dort mehr geben, sagt Dr. Hans-Georg Scherer. (bsc/tko)

Hintergrund

Die diskutierte Kürzung beim Städtischen Museum und beim Stadtarchiv zugunsten des Kunstquartiers ist aus der Sicht des Vereins Kunst höchst bedenklich. „Für uns sind derzeit weder für das Kunstquartier noch für den langfristigen Betrieb von Museum und Archiv belastbare Konzepte erkennbar.“ Museum und Archiv tragen aus Sicht des Vereins Kunst erheblich zur „Reflektion und Identifikation“ der Stadt bei. „Sie dürfen nicht zum Steinbruch für andere Einrichtungen missbraucht werden.“ Kritik an den geplanten Kürzungen gibt es auch vom Geschichtsverein Göttingen. Der Verein Verein beobachtet die Pläne mit großer Sorge. „Die Kürzungen würden die Arbeits- und Funktionsfähigkeit der Bildungseinrichtungen Städtisches Museum und Stadtarchiv aufs schwerste beeinträchtigen, wenn nicht zerstören.“ (bsc)

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