1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen

Verfahren gegen Duderstädter Medizinerin: Ermittler durchsuchen erneut Arztpraxis

Erstellt:

Kommentare

Ermittler durchsuchen die Arztpraxis einer Duderstädter Medizinerin. Der Vorwurf: Ausstellung von Attesten zur Befreiung der Impfpflicht gegen Masern.

Göttingen/Duderstadt – Ermittler haben erneut die Praxisräume der unter mehrfacher Anklage stehenden Ärztin Carola Javid-Kistel in Duderstadt durchsucht. Anlass sei ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen mit.

Die 56-Jährige soll vier Atteste zur Befreiung von der Impfpflicht gegen Masern ausgestellt haben, ohne dass entsprechende Voraussetzungen dafür vorlagen. Das seit März 2020 geltende Masernschutzgesetz sieht vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in Schule oder Kindergarten die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen müssen.

Ermittler durchsuchen erneut Arztpraxis von Duderstädter Medizinerin und Querdenkerin

Amtsgericht Duderstadt: Hier sollt der Prozess gegen eine 56-Jährige Ärztin laufen – er platzte aber. Nun gibt es neue Ermittlungen gegen Medizinerin, die der Querdenker-Szene angehört.
Amtsgericht Duderstadt: Hier sollt der Prozess gegen eine 56-Jährige Ärztin laufen – er platzte aber. Nun gibt es neue Ermittlungen gegen Medizinerin, die der Querdenker-Szene angehört. © Heidi Niemann/nh

Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden und in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Gemeinschaftseinrichtungen tätig sind, müssen zwei Impfungen gegen Masern oder eine ausreichende Immunität nachweisen. Von der Impfpflicht ist befreit, wer mit einem ärztlichen Attest nachweist, dass eine Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht ratsam ist.

Gegen die Ärztin, die zu einer Wortführerin der Impfgegner- und Querdenker-Szene gehört, ist bereits eine andere Anklage wegen des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse anhängig. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr darin vor, zwischen April 2020 bis März 2021 insgesamt 16 jeweils gleich lautende Atteste zur Vorlage bei Polizei, Behörden oder Gesundheitsamt ausgestellt zu haben.

Ärztin soll Atteste zur Befreiung von der Impfpflicht gegen Masern ausgestellt haben

Darin werde den jeweiligen Personen bescheinigt, dass diese aufgrund gesundheitlicher Probleme aus ärztlicher Sicht vom Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung befreit seien. Der Anklage zufolge soll die Ärztin gewusst haben, dass alle Personen keine gesundheitlichen Einschränkungen hatten, die eine Befreiung von der Maskenpflicht rechtfertigen könnten.

In einigen Fällen soll sie die Bescheinigung ohne vorherige Untersuchung ausgestellt haben. Außerdem soll sie zwei Impfunfähigkeitsbescheinigungen für zwei Kinder im Alter von einem Jahr beziehungsweise fünf Jahren ausgestellt haben. Die Medizinerin hätte sich wegen dieser Vorwürfe im Juni vor dem Amtsgericht Duderstadt verantworten sollen. Der Prozess wurde aber abgesagt, weil sie sich zwischenzeitlich nach Mexiko abgesetzt hat.

Duderstädter Medizinerin hatte sich zwischenzeitlich nach Mexiko abgesetzt

Die 56-Jährige ist regelmäßig bei Demonstrationen von Corona-Leugnern als Rednerin aufgetreten, wo sie gegen Schutzimpfungen, die Maskenpflicht und andere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie agitierte. Diese Aktivitäten haben ihr inzwischen mehrere weitere Anklagen wegen übler Nachrede und Beleidigung eingebracht.

Auch soll die Ärztin bei einer Kundgebung in Herzberg die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie als „Jahrhundertverbrechen“ bezeichnet und geäußert haben, dass das, was derzeit in Deutschland ablaufe, „schlimmer als der Holocaust“ sei. Dies wertet die Staatsanwaltschaft als Volksverhetzung. (Heidi Niemann)

Ende 2021 haben im Süden von Niedersachsen Fahnder bei Durchsuchungen zahlreiche falsche Impfpässe entdeckt.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion