Zwei linksextreme Vorfälle in Göttingen

Verfassungsschutz: Südniedersachsen ist Schwerpunkt der Nazi-Szene

Göttingen/Northeim. Südniedersachsen ist immer noch ein regionaler Schwerpunkt der Neonazi-Szene. Das geht aus dem Niedersächsischen Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2013 hervor, den Innenminister Boris Pistorius vorgelegt hat.

Nach den Erkenntnissen der Verfassungsschützer sind südniedersächsische Rechtsextremisten nicht nur in den Landkreisen Northeim, Osterode und Göttingen aktiv, sondern beteiligen sich auch an Veranstaltungen in anderen Regionen. Unter anderem hätten Neonazis aus der Region an einer Demonstration zum Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs teilgenommen und sich an der Vorbereitung und Organisation des so genannten Gedenkmarsches in Bad Nenndorf beteiligt. Im Vorfeld habe auch eine Mobilisierungsveranstaltung in Einbeck stattgefunden.

Laut Verfassungsschutzbericht sind die südniedersächsischen Neonazis sowohl mit der „subkulturellen Szene“ als auch der NPD eng verzahnt. Einer ihrer Protagonisten sei der Vorsitzende des NPD-Unterbezirks Göttingen, Marco Borrmann, über den enge Kontakte zu Neonazis in Nordhessen und Westthüringen bestünden. Bormann sei früher Mitglied der ehemaligen Kameradschaft Northeim gewesen. Deren mehrfach vorbestrafter Anführer Thorsten Heise war lange Jahre im Raum Northeim aktiv, seit zehn Jahren wohnt er im thüringischen Fretterode. Die gelegentliche Verwendung der Bezeichnung „Kameradschaft Dreiländereck“ unterstreiche die länderübergreifende Zusammenarbeit der Neonaziszene, heißt es in dem Bericht.

Nach den Erkenntnissen der Verfassungsschützer veranstalteten südniedersächsische Neonazis auch drei „Liederabende“ in Gillersheim, Uslar und Einbeck. Einer der einschlägigen Szene-Barden sei Kai Müller aus Bad Lauterberg, der auch unter dem Namen „Lokis Horden“ auftrete. Müller habe 2013 drei Auftritte gehabt, unter anderem auf einer von 120 Rechtsextremisten besuchten Veranstaltung der so genannten Freien Kräfte in Brandenburg. Ein anderer Protagonist der rechtsextremistischen Musikszene betreibt in Bovenden einen Versandhandel.

Im Bereich Linksextremismus listet der Verfassungsschutzbericht zwei Vorfälle in Göttingen auf. Im Dezember vergangenen Jahres hatten unbekannte Täter auf dem Parkplatz der Bundespolizei, vor dem Hauptzollamt und vor dem Verwaltungsgericht jeweils einen Brandsatz abgelegt, von denen allerdings keiner zündete. Außerdem erwähnt der Bericht einen Vorfall bei einer Demonstration zum zweiten Jahrestag des Bekanntwerdens der Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Damals waren in Göttingen zwei Autos in Brand geraten, die auf den Grundstücken zweier Studentenverbindungen standen. (pid)

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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