Vergewaltigungsprozess: Auch Ex-Frau soll sexuell genötigt worden sein

Foto: Archiv

Göttingen. Im Prozess gegen einen Informationselektroniker aus dem Landkreis Göttingen, der wegen Vergewaltigung seiner Ehefrau und anderer Sexualdelikte angeklagt ist, hat jetzt auch eine frühere Ehefrau den Angeklagten belastet.

Der 32-Jährige habe sie wiederholt gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr genötigt, sagte die Ex-Frau bei ihrer Zeugenvernehmung vor dem Landgericht Göttingen. Der Angeklagte habe sie ständig und überall bedrängt. „Ich konnte nicht mal in Ruhe duschen gehen, da stand er gleich neben mir und wollte mit mir schlafen.“ Sie habe oft keine Kraft gehabt, sich dagegen zu wehren, da er immer weitergemacht habe. „Ich habe dann mit ihm geschlafen, weil ich wusste, dass ich dann meine Ruhe habe.“

Die Staatsanwaltschaft hat den bereits wegen anderer Delikte vorbestraften 32-Jährigen wegen Vergewaltigung, mehrfacher sexueller Nötigung, Nötigung sowie übler Nachrede angeklagt. Sie wirft ihm vor, im Sommer 2015 seine damalige Ehefrau viermal mit Gewalt dazu gezwungen zu haben, sexuelle Übergriffe zu erdulden. Vier Monate später soll er sie genötigt haben, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Anderenfalls hätte er kein Problem damit, sie „aus dem Fenster zu schmeißen“. Einen Tag nach ihrem Auszug soll er sie in der Wohnung seiner früheren Ehefrau in Göttingen, in der sie untergekommen war, vergewaltigt haben.

Kurz nach dem Vorfall sollen beide per Whatsapp kommuniziert haben. Dabei soll die damalige Ehefrau unter anderem geschrieben haben: „Du nimmst dir, was du willst, gehst über Leichen. Ich wollte es nicht, warum hast du es getan?“

Betrugsdelikte

Kurz darauf erhob sie in einer eidesstattlichen Versicherung schwere Vorwürfe gegen den Angeklagten. Dieser habe sie nicht nur vergewaltigt und wiederholt sexuell genötigt, sondern auch einen Betrug begangen. Er habe sich ein teures Auto zugelegt, jedoch die Raten nicht bezahlen können. Daraufhin habe er ihr gesagt, dass er das Auto nach Tschechien abschieben und als gestohlen melden wolle. Sie habe damit nichts zu tun haben wollen. Tatsächlich sei das Auto dann irgendwann verschwunden gewesen. Er habe ihr gedroht: „Wenn du mich verrätst, dann hast du ein Problem.“

Auch die frühere Ehefrau berichtete von einem ähnlichen Betrugsdelikt mit einem anderen Auto. Der Angeklagte habe damals einen Golf verkaufen wollen. Dies habe aber zunächst nicht geklappt, weil aufgefallen sei, dass der Tacho manipuliert gewesen sei. Hinterher habe sie herausbekommen, dass er das Auto als gestohlen gemeldet hatte. Ihren Schilderungen zufolge zeigte sich der Angeklagte von zwei sehr unterschiedlichen Seiten. Anfangs sei er sehr charmant gewesen, einmal habe er im ganzen Zimmer Rosenblüten ausgestreut. Dann habe er sie beschimpft und beleidigt und sich darüber hinweggesetzt, wenn sie keinen Sex mit ihm wollte.

Sie habe dies lange hingenommen, weil sie sich eine Familie gewünscht habe. Der Angeklagte habe aber bis heute nie Unterhalt für ihr gemeinsames Kind gezahlt. Inzwischen ist der Sohn zehn Jahre alt. Der Prozess wird fortgesetzt. (pid)

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